Umgangssprachlich heißt es oft, ein Handy sei wasserdicht. Hersteller vermeiden das Wort, weil kein Gerät unter allen Bedingungen dicht bleibt. Richtig ist: Moderne Handys sind wassergeschützt. Wie stark, steht in der IP-Schutzklasse.
Wasserdicht, wasserfest, wassergeschützt
| Begriff | Was er meint |
|---|---|
| Wasserdicht | Kein Wasser dringt ein, egal unter welchen Bedingungen. Gibt es bei Handys nicht. |
| Wasserresistent oder wassergeschützt | Hält Wasser unter festgelegten Bedingungen stand. |
| Spritzwassergeschützt | Hält Regen und Spritzer aus, aber kein Untertauchen. |
Wie Handys gegen Wasser geschützt werden
Display und Rückseite sind mit einem umlaufenden Kleber eingesetzt. Tasten, SIM-Schacht und Kameras haben kleine Dichtungen. Lautsprecher und Mikrofone sind mit feinen Membranen geschützt, die Luft und Schall durchlassen, Wasser aber abhalten. Die Ladebuchse ist innen abgedichtet. Zusammen ergibt das die Abdichtung.
Warum der Schutz nachlässt
Stürze
Schon ein kleiner Verzug im Rahmen öffnet Spalten im Kleber.
Wärme
Hitze lässt Kleber altern und weicher werden.
Risse im Glas
Ein gesprungenes Display oder Rückglas ist nicht mehr dicht.
Reparaturen
Nach dem Öffnen hängt der Schutz von der Qualität der neuen Abdichtung ab.
Wasser im Handy: Was jetzt?
- Ausschalten. Sofort ausschalten und nicht wieder einschalten, um es zu testen.
- Nicht laden. Strom und Feuchtigkeit zusammen führen schnell zu Korrosion und Kurzschlüssen.
- Abtrocknen. Außen trocknen, Hülle abnehmen, SIM-Schacht öffnen.
- Kein Reis, kein Föhn. Reis zieht kaum Feuchtigkeit aus dem Inneren, ein Föhn kann Kleber und Akku schaden.
- Prüfen lassen. Vor allem bei Salz-, Chlor- oder Getränkeschäden zeitnah zur Reinigung bringen.
Gut zu wissen
Ein Handy, das nach einem Wasserkontakt noch funktioniert, kann Tage später ausfallen, weil die Korrosion im Inneren weiterläuft.
Was im Alltag in Ordnung ist und was nicht
| Situation | Mit intaktem IP68 Handy |
|---|---|
| Regen, nasse Hände | In der Regel unproblematisch |
| Kurz ins Waschbecken gefallen | Schnell herausnehmen, abtrocknen, meist kein Problem |
| Fotos im Pool | Riskant, Chlor und Wasserdruck beim Bewegen |
| Baden im Meer | Nicht empfehlenswert, Salz greift Dichtungen und Kontakte an |
| Sauna oder heiße Dusche | Nicht empfehlenswert, Dampf und Hitze |
| Kaffee oder Cola verschüttet | Mit klarem Wasser abspülen und trocknen, Zucker hinterlässt Rückstände |
Nach dem Wasserkontakt: so trocknest du richtig
Ist ein wassergeschütztes Handy nass geworden und funktioniert noch, tupfe es mit einem fusselfreien Tuch ab. Halte es mit der Ladebuchse nach unten und klopfe es leicht gegen die Hand, damit Wasser aus den Öffnungen läuft. Lass es dann an einem luftigen Ort trocknen. Lade es erst, wenn die Buchse vollständig trocken ist. iPhones und viele Android-Handys warnen, wenn noch Feuchtigkeit in der Buchse erkannt wird.
Klingt der Lautsprecher danach dumpf, sitzt meist noch Wasser hinter dem Gitter. Das verschwindet nach einiger Zeit. Bleibt der Ton schlecht, Kamera beschlägt von innen oder zeigen sich Flecken im Display, ist Wasser eingedrungen und das Gerät sollte geprüft werden.
Nicht jede Flüssigkeit ist Wasser
Die Angaben zur Wasserdichtigkeit beziehen sich auf sauberes Süßwasser. Im Alltag kommt ein Smartphone aber mit ganz anderen Flüssigkeiten in Berührung. Salzwasser, Chlorwasser im Schwimmbad, Kaffee, Limonade, Bier oder Seifenwasser verhalten sich anders als Leitungswasser und können mehr Schaden anrichten.
Salz und Chlor greifen Dichtungen und Metallteile an. Zuckerhaltige Getränke hinterlassen klebrige Rückstände in Buchsen, Lautsprechern und Tasten. Seife und Shampoo senken die Oberflächenspannung des Wassers, sodass es leichter durch feine Spalten dringt. Alkohol kann Klebeverbindungen anlösen.
| Flüssigkeit | Risiko |
|---|---|
| Leitungswasser | Gering bei intakter Abdichtung |
| Salzwasser | Korrosion, Angriff auf Dichtungen |
| Chlorwasser | Greift Dichtungen und Beschichtungen an |
| Zuckerhaltige Getränke | Klebrige Rückstände, Korrosion |
| Seifenwasser | Dringt leichter in Spalten ein |
| Heißes Wasser und Dampf | Dichtungen dehnen sich, Dampf dringt ein |
Temperatur und Kondensation
Ein oft unterschätztes Risiko sind Temperaturwechsel. Wenn ein Smartphone aus der Kälte in einen warmen, feuchten Raum kommt, kann sich im Inneren Kondenswasser bilden. Das passiert zum Beispiel, wenn du im Winter von draußen ins Badezimmer gehst oder das Gerät mit in die Sauna nimmst.
Auch heiße Duschen sind problematisch. Wasserdampf besteht aus winzigen Tröpfchen, die durch feinere Spalten dringen können als flüssiges Wasser. Gleichzeitig dehnen sich Gehäuse und Dichtungen durch die Wärme unterschiedlich aus. Das Smartphone in der Dusche zu benutzen, ist deshalb auch bei IP68 keine gute Idee.
Tipp
Wenn dein Gerät aus großer Kälte kommt, lass es in einer geschlossenen Tasche langsam auf Raumtemperatur kommen, bevor du es benutzt oder lädst.
Anzeichen für eingedrungenes Wasser
Nicht jeder Wasserschaden zeigt sich sofort. Manchmal funktioniert ein Gerät nach dem Kontakt mit Wasser zunächst normal und fällt erst Tage oder Wochen später aus, weil die Korrosion langsam fortschreitet. Deshalb lohnt es sich, nach einem Wasserkontakt auf frühe Anzeichen zu achten.
| Anzeichen | Was es bedeutet |
|---|---|
| Beschlag hinter der Kameralinse | Feuchtigkeit im Gehäuse |
| Gedämpfter oder kratziger Ton | Wasser im Lautsprecher oder Mikrofon |
| Flecken oder Streifen im Display | Feuchtigkeit hinter dem Display |
| Feuchtigkeitswarnung an der Ladebuchse | Wasser oder Rückstände in der Buchse |
| Ungewöhnliche Wärme, schneller Akkuverlust | Mögliche Kurzschlüsse auf der Platine |
Tritt eines dieser Anzeichen auf, solltest du das Gerät ausschalten, nicht laden und zeitnah prüfen lassen. Je früher eine Reinigung erfolgt, desto besser stehen die Chancen, Folgeschäden zu vermeiden.
Wasser aus dem Lautsprecher bekommen
Nach Wasserkontakt klingt der Lautsprecher oft dumpf, weil Wasser in der Öffnung steht. Das ist meist vorübergehend. Lege das Gerät mit dem Lautsprecher nach unten auf ein Tuch und lass es trocknen. Bei der Apple Watch gibt es eine eingebaute Funktion, die Wasser mit Tönen aus dem Lautsprecher drückt. Für Smartphones gibt es ähnliche Funktionen bei manchen Herstellern oder als Kurzbefehl.
Steck niemals Wattestäbchen, Nadeln oder Druckluft in die Lautsprecheröffnungen. Dabei kannst du das feine Gitter oder die Membran beschädigen und Wasser noch tiefer ins Gerät drücken.
Wasserdichtigkeit nach einer Reparatur
Sobald ein Smartphone geöffnet wird, muss die Abdichtung erneuert werden. Bei Display- oder Rückglastausch werden die alten Klebestreifen entfernt und durch neue ersetzt. Auch kleine Dichtungen an Tasten, SIM-Halterung und Kameras werden geprüft. Eine sorgfältige Werkstatt verwendet dafür passende, vorgestanzte Klebestreifen für das jeweilige Modell.
Trotz aller Sorgfalt lässt sich die Abdichtung ab Werk nicht vollständig nachbilden. In der Fabrik werden Geräte mit Druck geprüft, was in einer Werkstatt meist nicht möglich ist. Ein repariertes Gerät ist deshalb gut gegen Spritzwasser und kurze Unfälle geschützt, sollte aber nicht bewusst untergetaucht werden.
Wasserschäden, Garantie und Versicherung
Flüssigkeitsschäden sind fast immer von der Herstellergarantie ausgeschlossen, auch bei Geräten mit hoher Schutzklasse. In jedem Smartphone sitzen Feuchtigkeitsindikatoren, die sich bei Kontakt mit Wasser dauerhaft verfärben. Daran erkennt der Hersteller, dass Flüssigkeit im Gerät war.
Manche Handyversicherungen und erweiterte Garantien decken Wasserschäden ab. Prüfe die Bedingungen genau, denn oft gibt es Einschränkungen oder Selbstbeteiligungen. Unabhängig davon ist eine schnelle Reinigung in der Werkstatt oft der günstigere Weg als ein Neukauf.
Was in der Werkstatt nach einem Wasserschaden passiert
Kommt ein Gerät mit Wasserschaden zu uns, wird es zuerst geöffnet und der Akku abgeklemmt. So fließt kein Strom mehr, der die Korrosion beschleunigt. Danach wird die Platine unter dem Mikroskop untersucht. Korrosionsspuren zeigen, wo das Wasser hingelangt ist und welche Bauteile betroffen sein könnten.
Die Platine wird anschließend im Ultraschallbad gereinigt. Dabei lösen sich Rückstände auch unter den Bauteilen, wo man mit Pinsel oder Tuch nicht hinkommt. Nach dem Trocknen werden die Spannungen gemessen und beschädigte Bauteile ersetzt. Erst wenn alles in Ordnung ist, wird das Gerät wieder zusammengebaut und neu abgedichtet.
Akku trennen
Stoppt weitere Korrosion.
Ultraschallbad
Löst Rückstände unter Bauteilen.
Bauteile prüfen
Beschädigte Teile gezielt ersetzen.
Mythen rund um Wasser im Handy
Der bekannteste Mythos ist der Reis. Ein Gerät in Reis zu legen, hilft kaum gegen Feuchtigkeit im Inneren und gar nicht gegen Korrosion. Reis kann außerdem Stärke und Staub in Buchsen und Öffnungen hinterlassen. Apple rät ausdrücklich davon ab.
Ein zweiter Mythos ist, dass ein Gerät nach dem Trocknen wieder in Ordnung ist, wenn es funktioniert. Rückstände aus dem Wasser bleiben aber auf der Platine und können noch Wochen später zu Ausfällen führen. Und ein dritter: Föhn und Heizung trocknen schneller. Hitze kann aber Akku und Klebeverbindungen schädigen und die Feuchtigkeit tiefer ins Gerät treiben.
Zusammengefasst schützt die Wasserdichtigkeit dein Gerät bei Unfällen, ist aber kein dauerhafter Freibrief für Wasser. Sie lässt mit der Zeit nach, wirkt nur gegen sauberes Süßwasser zuverlässig und wird nach Reparaturen nicht ganz wiederhergestellt. Wer bei Wasserkontakt schnell richtig reagiert, verhindert die meisten Folgeschäden.
Häufige Fragen
Ist mein iPhone wasserdicht?
iPhones ab iPhone 7 sind wassergeschützt nach IP67 oder IP68. Wasserdicht im strengen Sinn sind sie nicht.
Kann ich mein Handy unter der Dusche benutzen?
Besser nicht. Heißes Wasser, Dampf und Seife setzen den Dichtungen zu.
Wie merke ich, dass Wasser eingedrungen ist?
Typisch sind dumpfer Ton, beschlagene Kamera, Flecken im Display oder Probleme beim Laden.
Ist mein Handy nach einer Reparatur noch wasserdicht?
Bei fachgerechter Abdichtung ist es wieder gut geschützt, eine Garantie für den Werkszustand gibt es aber nicht.
Was ist mit Laptops und Tablets?
Die meisten haben keinen zugesicherten Wasserschutz. Schon ein umgekippter Kaffee kann einen Platinenschaden verursachen.