Wasser allein leitet kaum Strom. Gefährlich wird es durch gelöste Salze und Mineralien. Zusammen mit der Spannung auf der Platine entsteht eine elektrochemische Reaktion, die Metall auflöst und Ablagerungen bildet. Das ist Korrosion. Sie läuft weiter, solange Feuchtigkeit und Rückstände da sind.
Wie Korrosion entsteht
Gelangt Flüssigkeit auf die Platine, bilden sich zwischen Kontakten mit unterschiedlicher Spannung winzige Stromkreise. An den Kontakten löst sich Metall, an anderer Stelle lagert es sich ab. So wachsen feine Brücken, die einen Kurzschluss verursachen, oder Leitungen werden zerfressen und unterbrochen.
| Flüssigkeit | Wie aggressiv | Warum |
|---|---|---|
| Leitungswasser | Mittel | Enthält Mineralien |
| Regenwasser | Gering bis mittel | Wenige Mineralien, aber Schmutz |
| Salzwasser | Sehr hoch | Viele Salze, starke Reaktion |
| Chlorwasser | Hoch | Chlor greift Metalle an |
| Getränke wie Cola, Kaffee, Saft | Hoch | Zucker und Säure hinterlassen klebrige, leitfähige Rückstände |
Warum der Schaden oft später kommt
Viele Handys funktionieren direkt nach einem Wasserkontakt noch. Die Korrosion arbeitet aber im Hintergrund weiter. Nach Tagen oder Wochen fällt dann plötzlich das Laden aus, der Ton, die Kamera oder das ganze Gerät. Deshalb lohnt es sich, ein nasses Gerät auch dann prüfen zu lassen, wenn es scheinbar wieder läuft.
Typische Anzeichen
Ladeprobleme
Korrosion an der Ladebuchse oder in der Ladeschaltung.
Bildfehler
Flecken, Streifen oder Ausfall des Displays.
Wird warm
Ein beginnender Kurzschluss erwärmt das Gerät.
Einzelne Funktionen fallen aus
Kamera, Face ID, Mikrofon oder Lautsprecher.
Wie Korrosion behandelt wird
- Gerät zerlegen. Akku abklemmen, Platine ausbauen.
- Begutachten. Unter dem Mikroskop werden befallene Stellen gesucht.
- Reinigen. Mit Isopropanol und Bürste, bei starkem Befall im Ultraschallbad.
- Reparieren. Zerfressene Bauteile werden ersetzt, unterbrochene Leiterbahnen überbrückt.
- Testen. Erst nach Messung und Funktionstest wird das Gerät zusammengebaut.
Diese Arbeit ist Teil des Mikrolötens. Je früher behandelt wird, desto besser sind die Chancen.
So sieht Korrosion aus
| Farbe | Typische Ursache |
|---|---|
| Weiß oder grau, pulvrig | Mineralien aus Leitungswasser, Zinn-Korrosion |
| Grün oder blaugrün | Kupfer-Korrosion, oft nach längerer Zeit |
| Schwarz | Stark angegriffene Bauteile, oft mit Kurzschluss |
| Braun, klebrig | Rückstände von Getränken mit Zucker |
Auf einer Handy-Platine sind diese Spuren oft nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Besonders gefährdet sind Bereiche mit vielen Spannungen nahe beieinander, etwa rund um die Ladebuchse, den Akkustecker und die Stromversorgung.
Erste Hilfe nach Kontakt mit Flüssigkeit
Ob Korrosion entsteht und wie stark sie wird, entscheidet sich oft in den ersten Minuten nach einem Wasserschaden. Je schneller du richtig handelst, desto besser stehen die Chancen für dein Gerät.
- Sofort ausschalten. Strom beschleunigt die Korrosion enorm. Schalte das Gerät aus, auch wenn es noch funktioniert.
- Nicht laden. Schließe das Gerät auf keinen Fall an ein Ladegerät an.
- Hülle und SIM entfernen. So kann Feuchtigkeit besser entweichen.
- Außen abtrocknen. Tupfe das Gerät mit einem fusselfreien Tuch ab.
- Zeitnah prüfen lassen. Eine Reinigung innerhalb von ein bis zwei Tagen verhindert oft größere Schäden.
Verzichte auf den bekannten Reis-Trick. Reis zieht kaum Feuchtigkeit aus dem Inneren, und Stärke oder kleine Körner können in Öffnungen gelangen. Auch ein Föhn ist keine gute Idee, weil Hitze Kleber und Akku schaden kann und Feuchtigkeit tiefer ins Gerät treiben kann.
Nicht jede Flüssigkeit ist gleich
Wie schnell Korrosion fortschreitet, hängt stark von der Flüssigkeit ab. Reines Wasser leitet kaum Strom. Leitungswasser enthält aber Mineralien, und die meisten anderen Flüssigkeiten enthalten Salze, Säuren oder Zucker, die die Korrosion deutlich beschleunigen.
| Flüssigkeit | Risiko | Besonderheit |
|---|---|---|
| Leitungswasser | Mittel | Mineralien bleiben nach dem Trocknen zurück |
| Salzwasser (Meer) | Sehr hoch | Salz ist stark leitfähig und greift Metall schnell an |
| Chlorwasser (Pool) | Hoch | Chlor wirkt aggressiv auf Kontakte |
| Kaffee, Saft, Softdrinks | Hoch | Zucker und Säure hinterlassen klebrige, leitende Rückstände |
| Toilettenwasser | Hoch | Verschmutzt, zusätzlich hygienisch problematisch |
Bei Salzwasser und zuckerhaltigen Getränken ist besondere Eile geboten. Hier kann schon nach wenigen Stunden ein deutlicher Schaden entstehen. Auch wenn das Gerät nach dem Trocknen wieder läuft, arbeiten die Rückstände im Inneren weiter.
Warum auch wasserdichte Geräte korrodieren
Viele Smartphones haben eine IP-Schutzklasse wie IP67 oder IP68. Das bedeutet aber nicht, dass sie dauerhaft gegen jede Flüssigkeit geschützt sind. Die Prüfungen finden mit Süßwasser unter Laborbedingungen statt. Salzwasser, Seife, heißes Wasser oder Wasserdruck beim Duschen sind dort nicht abgedeckt.
Außerdem altern die Dichtungen. Kleber wird mit der Zeit spröde, und jeder Sturz kann winzige Risse erzeugen. Nach einer Reparatur hängt die Dichtigkeit davon ab, wie sorgfältig das Gerät wieder verklebt wurde. Ein zwei Jahre altes Smartphone ist deshalb oft weniger dicht als ein neues.
Hersteller schließen Flüssigkeitsschäden deshalb meist von der Garantie aus, auch bei Geräten mit hoher Schutzklasse.
Auch Regen auf dem Fahrrad, ein feuchter Rucksack oder ein Smartphone in der Jackentasche bei Schneefall können über die Zeit zu kleinen Korrosionsherden führen.
Korrosion ohne Wasserschaden
Korrosion kann auch entstehen, ohne dass das Gerät jemals ins Wasser gefallen ist. Eine häufige Ursache ist Kondenswasser. Nimmst du dein Smartphone mit ins Badezimmer beim Duschen oder in die Sauna, schlägt sich feuchte Luft im Inneren nieder. Dasselbe passiert, wenn ein kaltes Gerät im Winter in einen warmen Raum kommt.
Auch Schweiß kann Korrosion verursachen, etwa bei Sportuhren und Kopfhörern oder bei Smartphones, die beim Training am Arm getragen werden. Schweiß enthält Salz, das sich in Öffnungen wie der Ladebuchse ablagert.
Badezimmer
Lass dein Smartphone beim Duschen lieber draußen.
Sauna
Hitze und Feuchtigkeit sind eine besonders schädliche Kombination.
Temperaturwechsel
Lass ein kaltes Gerät erst langsam warm werden, bevor du es einschaltest.
Feuchtigkeitsindikatoren verraten den Schaden
Hersteller bauen kleine Aufkleber in ihre Geräte ein, die sich bei Kontakt mit Flüssigkeit verfärben. Diese Feuchtigkeitsindikatoren sind meist weiß oder silbern und werden bei Nässe rot oder rosa. Bei vielen iPhones sitzt einer im SIM-Schacht und ist von außen sichtbar, weitere liegen im Inneren.
Ein verfärbter Indikator bedeutet nicht automatisch, dass das Gerät defekt ist. Er zeigt nur, dass irgendwann Feuchtigkeit da war. Auch hohe Luftfeuchtigkeit kann ihn auslösen. Für die Garantie ist er trotzdem wichtig, weil Hersteller Flüssigkeitsschäden meist ausschließen.
In der Werkstatt helfen die Indikatoren bei der Diagnose. Sie zeigen, wo Flüssigkeit eingedrungen ist und welche Bereiche besonders gründlich geprüft werden müssen.
Korrosion an der Ladebuchse
Die Ladebuchse ist der Ort, an dem Korrosion am häufigsten auftritt. Hier liegen die Kontakte offen, und beim Laden fließt Strom. Ist die Buchse feucht, beschleunigt die Spannung die Korrosion stark. Moderne Smartphones warnen deshalb, wenn sie Flüssigkeit im Anschluss erkennen.
Nimm diese Warnung ernst und lade nicht weiter. Lass die Buchse trocknen, bevor du das Kabel wieder einsteckst. Kabelloses Laden ist in der Zwischenzeit eine sichere Alternative.
Korrodierte Kontakte erkennst du an grünlichen, weißen oder schwarzen Belägen. Das Gerät lädt dann nur noch langsam, mit Unterbrechungen oder gar nicht. Je nach Zustand hilft eine Reinigung oder ein Tausch der Buchse.
Wie gut die Chancen auf Rettung stehen
Ob ein korrodiertes Gerät gerettet werden kann, hängt vor allem von der Zeit ab. Wird es innerhalb weniger Tage gereinigt, sind die Chancen oft gut. Nach Wochen oder Monaten haben sich die Schäden meist tief in Leiterbahnen und Lötstellen gefressen.
Auch wenn ein Gerät nicht mehr zu retten ist, sind die Daten oft noch erreichbar. Mit einer gezielten Reparatur der wichtigsten Bereiche lässt es sich manchmal so weit wiederbeleben, dass Fotos und Dokumente gesichert werden können.
Zusammengefasst ist Korrosion der schleichende Feind jeder Elektronik. Sie beginnt oft unsichtbar und zeigt sich erst Tage oder Wochen nach einem Wasserschaden. Schnelles Handeln, keine Ladeversuche und eine fachgerechte Reinigung erhöhen die Chancen deutlich, dass dein Gerät und deine Daten gerettet werden.
Korrosion bei Laptops, Uhren und Kopfhörern
Laptops sind besonders häufig von verschütteten Getränken betroffen. Die Flüssigkeit läuft durch die Tastatur direkt auf die Platine. Schalte den Laptop sofort aus, trenne ihn vom Netzteil und drehe ihn um, damit die Flüssigkeit abfließen kann. Bei Geräten mit wechselbarem Akku solltest du diesen sofort entfernen.
Bei Smartwatches und kabellosen Kopfhörern greift vor allem Schweiß die Ladekontakte an. Wische die Kontakte nach dem Sport mit einem trockenen Tuch ab. So verhinderst du, dass sich Salz ablagert und die Kontakte mit der Zeit nicht mehr richtig laden.
Häufige Fragen
Hilft Reis gegen Korrosion?
Nein. Reis trocknet höchstens die Oberfläche. Die Rückstände im Inneren bleiben und korrodieren weiter.
Wie schnell entsteht Korrosion?
Bei Salzwasser und Getränken innerhalb von Stunden, bei Leitungswasser über Tage.
Kann Korrosion vollständig entfernt werden?
Die Ablagerungen ja. Bereits zerstörte Bauteile oder Leitungen müssen ersetzt werden.
Was ist der Unterschied zu Oxidation?
Oxidation ist eine Form der Korrosion, bei der Metall mit Sauerstoff reagiert. Mehr dazu unter Oxidation.
Bleiben meine Daten erhalten?
In vielen Fällen ja, wenn die Platine rechtzeitig gereinigt und repariert wird.
Korrodiert auch ein ausgeschaltetes Handy?
Ja, aber deutlich langsamer. Ohne Strom fehlt die treibende Spannung, Rückstände greifen trotzdem an.