Ein Smartphone, das nicht startet, verrät viel über seinen Stromverbrauch. Wird es statt mit dem Akku an ein Labornetzteil angeschlossen, zeigt dessen Anzeige genau, wie viel Strom fließt. Steigt der Strom beim Einschalten in einem bestimmten Muster an und bleibt dann hängen, weiß ein erfahrener Techniker oft schon, in welchem Bereich der Fehler liegt. Diese Methode heißt Strommessung oder Stromdiagnose.
Was die Werte verraten
| Beobachtung | Mögliche Bedeutung |
|---|---|
| Sofort hoher Strom ohne Einschalten | Kurzschluss auf der Hauptversorgung |
| Kein Strom beim Einschalten | Gerät erkennt den Startbefehl nicht |
| Strom steigt und bleibt stehen | Startvorgang hängt an einer bestimmten Stelle |
| Strom steigt, fällt und wiederholt sich | Gerät startet immer wieder neu |
| Normales Muster, aber kein Bild | Problem eher beim Display oder dessen Versorgung |
Kurzschlüsse finden
Liegt ein Kurzschluss auf einer Leitung vor, wird über das Labornetzteil eine geringe Spannung mit begrenztem Strom eingespeist. Das kurzgeschlossene Bauteil erwärmt sich dabei. Mit einer Wärmebildkamera oder Isopropanol, das an der warmen Stelle zuerst verdunstet, lässt sich das Bauteil dann finden. Der begrenzte Strom sorgt dafür, dass dabei nichts weiter beschädigt wird.
Begrenzter Strom
Schützt die Platine während der Suche.
Wärme
Das defekte Bauteil wird warm.
Sichtbar machen
Wärmebildkamera oder Isopropanol zeigen die Stelle.
Gezielt tauschen
Nur das defekte Bauteil wird ersetzt.
Ruhestrom und Akkuentladung
Auch wenn ein Gerät ausgeschaltet ist, fließt ein winziger Strom. Ist er zu hoch, entlädt sich der Akku über Nacht, obwohl das Gerät aus ist. Mit einer Strommessung im ausgeschalteten Zustand lässt sich das nachweisen. Ein zu hoher Ruhestrom deutet auf ein Bauteil hin, das nicht richtig abschaltet oder einen leichten Kurzschluss hat.
Akku ist nicht immer schuld
Entlädt sich dein Gerät ungewöhnlich schnell, ist nicht immer der Akku verantwortlich. Eine Strommessung zeigt, ob die Platine zu viel Strom zieht.
Grundlagen: Was Strom eigentlich ist
Elektrischer Strom ist die Bewegung von Ladungsträgern durch einen Leiter. Er wird in Ampere gemessen, in der Elektronik meist in Milliampere. Während die Spannung beschreibt, wie stark die Elektronen angetrieben werden, gibt der Strom an, wie viele tatsächlich fließen. Beide zusammen ergeben die Leistung, die ein Gerät aufnimmt.
Für die Fehlersuche ist der Strom besonders aufschlussreich. Jedes Gerät hat ein typisches Stromprofil. Beim Einschalten steigt der Strom in bestimmten Stufen an, weil nacheinander Spannungsregler, Prozessor, Speicher und Display aktiv werden. Weicht dieses Profil ab, verrät das, an welcher Stelle der Startvorgang hängen bleibt.
Gemessen wird entweder direkt in der Leitung mit einem Multimeter, über ein Labornetzteil mit Stromanzeige oder mit einem USB-Messgerät zwischen Ladegerät und Gerät. Jede Methode hat ihren eigenen Zweck.
Messmethoden im Vergleich
| Methode | Wofür geeignet | Grenzen |
|---|---|---|
| Multimeter in Reihe | Genaue Messung kleiner Ströme | Leitung muss aufgetrennt werden |
| Labornetzteil | Startverhalten, Kurzschlusssuche | Nur bei Versorgung über das Netzteil |
| USB-Messgerät | Ladestrom und Ladeleistung prüfen | Zeigt nur den Strom über USB |
| Stromzange | Große Ströme ohne Auftrennen | Für kleine Ströme zu ungenau |
| Messwiderstand und Oszilloskop | Schnelle Stromverläufe | Aufwendiger Aufbau |
In der Smartphone- und Laptopreparatur ist das Labornetzteil die wichtigste Methode. Statt des Akkus wird das Netzteil an das Gerät angeschlossen. Es liefert eine einstellbare Spannung und zeigt in Echtzeit an, wie viel Strom fließt. Außerdem lässt sich der Strom begrenzen, damit bei einem Kurzschluss kein weiterer Schaden entsteht.
Ein USB-Messgerät ist dagegen auch für Laien interessant. Es wird zwischen Ladegerät und Kabel gesteckt und zeigt Spannung, Strom und Leistung an. Damit lässt sich prüfen, ob ein Gerät überhaupt Strom aufnimmt und ob das Schnellladen funktioniert.
Das Stromprofil beim Start
Beim Einschalten eines Smartphones am Labornetzteil zeigt die Stromanzeige ein typisches Muster. Zuerst springt der Strom kurz an, wenn die Grundversorgung aktiv wird. Dann steigt er in Stufen, während der Prozessor startet und der Speicher gelesen wird. Schließlich pendelt er sich ein, sobald das Betriebssystem läuft und das Display leuchtet.
Erfahrene Techniker erkennen an diesem Verlauf, wo ein Fehler liegt. Bleibt der Strom bei null, wird das Gerät gar nicht eingeschaltet, etwa wegen eines defekten Einschaltknopfs oder eines Fehlers in der Grundversorgung. Steigt er auf einen festen Wert und bleibt dort hängen, kommt der Start nicht über eine bestimmte Stufe hinaus. Schwankt er ständig, startet das Gerät immer wieder neu.
| Stromverhalten | Möglicher Hinweis |
|---|---|
| Kein Strom beim Einschalten | Gerät schaltet nicht ein, Fehler in der Grundversorgung |
| Sofort hoher Strom | Kurzschluss auf einer Hauptleitung |
| Strom bleibt bei einem Wert stehen | Startvorgang hängt, etwa beim Speicher |
| Strom schwankt periodisch | Gerät startet ständig neu |
| Normaler Verlauf, aber kein Bild | Fehler im Displaybereich |
Ladestrom messen
Wenn ein Gerät langsam lädt, ist die Strommessung der erste Schritt. Ein USB-Messgerät zeigt, wie viel Strom tatsächlich fließt. Liegt der Wert deutlich unter dem, was Ladegerät und Gerät eigentlich können, liegt das Problem meist bei Kabel, Ladegerät oder Ladebuchse. Verschmutzte Kontakte in der Buchse sind eine häufige Ursache.
Beachte, dass der Ladestrom nicht konstant ist. Moderne Geräte laden bei leerem Akku schnell und drosseln den Strom, je voller der Akku wird. Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Ist das Gerät warm, reduziert es den Ladestrom, um den Akku zu schonen. Ein niedriger Wert bei fast vollem oder warmem Akku ist deshalb normal.
Tipp
Wenn du den Ladestrom selbst prüfst, beginne mit einem Akkustand unter 50 Prozent und einem kühlen Gerät. Probiere außerdem ein anderes Kabel aus. Viele Ladeprobleme lösen sich schon damit.
Sicherheit bei der Strommessung
Strommessungen an Smartphones und Laptops sind im Niedervoltbereich ungefährlich für dich, aber nicht unbedingt für das Gerät. Wird ein Multimeter falsch angeschlossen, etwa im Strommessbereich parallel zu einer Spannungsquelle, entsteht ein Kurzschluss. Das kann die Sicherung im Messgerät auslösen oder Bauteile beschädigen.
Beim Labornetzteil ist die Strombegrenzung der wichtigste Schutz. Sie wird so eingestellt, dass auch bei einem Kurzschluss nur so viel Strom fließt, wie die Bauteile vertragen. Werkstätten arbeiten deshalb immer mit begrenztem Strom, wenn ein Gerät zum ersten Mal am Netzteil eingeschaltet wird.
Messungen direkt am Akku sollten nur Fachleute vornehmen. Lithium-Ionen-Akkus können sehr hohe Ströme liefern. Ein versehentlicher Kurzschluss kann den Akku stark erhitzen und im schlimmsten Fall einen Brand auslösen.
Strom im ausgeschalteten Zustand
Auch ein ausgeschaltetes Gerät verbraucht ein wenig Strom. Eine Uhr läuft weiter, der Einschaltknopf wird überwacht, und bei manchen Geräten bleibt eine Funktion zum Wiederfinden aktiv. Dieser Strom ist aber sehr klein, meist im Bereich weniger Milliampere oder darunter.
Fließt im ausgeschalteten Zustand deutlich mehr Strom, ist das ein Warnsignal. Ein Bauteil ist dann vermutlich teilweise kurzgeschlossen oder ein Chip bleibt ungewollt aktiv. Im Alltag merkst du das daran, dass der Akku auch ohne Nutzung schnell leer wird oder sich das Gerät ungewöhnlich warm anfühlt.
Mit einem Labornetzteil lässt sich dieser Strom genau messen. Liegt er über dem für das Modell typischen Wert, wird mit der Wärmebildsuche oder durch gezieltes Abtrennen einzelner Bereiche der Verbraucher gefunden, der zu viel Strom zieht.
Was die Strommessung über den Akku verrät
Der Akku selbst lässt sich ebenfalls über den Strom beurteilen. Ein gesunder Akku hält seine Spannung auch dann stabil, wenn das Gerät kurzfristig viel Strom zieht, etwa beim Start einer Kamera-App. Ein gealterter Akku hat einen höheren Innenwiderstand. Seine Spannung bricht unter Last stärker ein. Fällt sie dabei unter eine bestimmte Grenze, schaltet sich das Gerät plötzlich ab, obwohl noch Ladung angezeigt wird.
Ob ein Gerät wegen des Akkus oder wegen eines anderen Fehlers abschaltet, lässt sich mit dem Labornetzteil gut prüfen. Läuft das Gerät am Netzteil stabil, aber mit dem Akku nicht, liegt der Fehler sehr wahrscheinlich im Akku. Dann ist ein Akku-Tausch die passende Lösung.
Gut zu wissen
Plötzliche Abschaltungen bei 20 oder 30 Prozent Akkustand sind ein typisches Zeichen für einen gealterten Akku. Die Strommessung kann das schnell bestätigen.
Strommessung mit USB-Messgeräten
Kleine USB-Messgeräte werden zwischen Ladegerät und Kabel gesteckt. Sie zeigen Spannung, Strom und oft auch die geladene Energiemenge an. Bei USB-C-Geräten erkennen viele dieser Messgeräte auch, welche Spannung zwischen Ladegerät und Gerät ausgehandelt wurde. So siehst du, ob das Schnellladen tatsächlich aktiv ist.
Zeigt das Messgerät nur fünf Volt und einen geringen Strom, obwohl Ladegerät und Gerät Schnellladen unterstützen, liegt das Problem oft am Kabel. Nicht jedes Kabel ist für höhere Leistungen ausgelegt. Auch Adapter oder Verlängerungen können die Aushandlung verhindern.
Für die Fehlersuche ist so ein Messgerät eine einfache erste Hilfe. Es zeigt in Sekunden, ob überhaupt Strom fließt. Fließt bei angeschlossenem Gerät kein Strom, obwohl das Ladegerät funktioniert, liegt der Fehler im Gerät selbst, etwa an der Ladebuchse oder der Ladeschaltung.
Für dich als Kunde bedeutet eine gute Strommessung vor allem eins: eine schnellere und genauere Diagnose. Statt Teile auf Verdacht zu tauschen, wird gezielt nachgesehen, wo der Fehler liegt. Das macht die Reparatur planbarer und verhindert unnötige Kosten.
Häufige Fragen
Wozu braucht man ein Labornetzteil?
Es liefert einstellbare Spannung und zeigt den Strom genau an.
Kann man so jeden Fehler finden?
Nicht jeden, aber sie grenzt viele Fehler schnell ein.
Ist die Messung für das Gerät gefährlich?
Nein, mit Strombegrenzung ist sie schonend.
Was ist Ruhestrom?
Der Strom, den ein Gerät im ausgeschalteten Zustand zieht.