PMIC steht für Power Management Integrated Circuit. Der Chip nimmt die Spannung vom Akku und erzeugt daraus viele genau geregelte Spannungen für die einzelnen Bauteile. Außerdem steuert er das Ein- und Ausschalten des Geräts. Ohne funktionierenden PMIC startet nichts.
Was macht der PMIC genau?
- Erzeugt Spannungen für Prozessor, Speicher, Display und Funkchips
- Startet die Bauteile beim Einschalten in der richtigen Reihenfolge
- Fährt Teile herunter, die gerade nicht gebraucht werden, und spart so Strom
- Überwacht Temperatur und schaltet bei Problemen ab
Bei vielen Geräten gibt es mehrere Power-Management-Chips, etwa einen Haupt-PMIC und kleinere für Display, Kamera oder Funk. Der Lade-IC ist ein naher Verwandter, der sich nur um das Laden kümmert.
Anzeichen für einen PMIC-Fehler
Startet nicht
Keine Reaktion, auch am Ladegerät.
Wird heiß
Das Gerät wird ohne Last an einer Stelle der Platine warm.
Neustart-Schleife
Das Gerät startet immer wieder neu.
Hoher Ruhestrom
Der Akku leert sich auch im ausgeschalteten Zustand.
Diese Symptome haben oft auch andere Ursachen, etwa einen Kurzschluss an einer der Spannungen, die der PMIC versorgt. Dann ist der PMIC selbst gesund und schaltet nur zum Schutz ab.
Reparatur
Ein PMIC ist ein größerer Chip mit vielen Anschlüssen unter dem Gehäuse, ein BGA-Baustein. Bei einem Tausch wird der Chip mit Heißluft ausgelötet, die Pads gereinigt und ein neuer Chip eingesetzt. Bei manchen Geräten ist der PMIC mit dem Prozessor gekoppelt, dann ist ein Tausch nur eingeschränkt möglich. Häufiger als ein defekter PMIC ist ein Kurzschluss auf einer seiner Ausgangsleitungen, der sich durch Tausch eines kleinen Bauteils beheben lässt.
Was beim Einschalten passiert
Drückst du die Einschalttaste, startet der PMIC eine genau festgelegte Abfolge. Zuerst bekommen einfache Steuerbausteine Strom, dann Speicher und Prozessor, zuletzt Display und Funk. Jeder Schritt wird geprüft. Fehlt eine Spannung oder ist sie kurzgeschlossen, bricht der PMIC den Start ab. Das Gerät bleibt dann dunkel oder startet immer wieder neu.
Für die Diagnose
Weil diese Reihenfolge bekannt ist, lässt sich mit einem Labornetzteil an der Stromaufnahme ablesen, wie weit das Gerät beim Start kommt. Das grenzt den Fehler stark ein.
Wie der PMIC Spannungen erzeugt
Ein Smartphone-Akku liefert je nach Ladestand etwa 3,5 bis 4,4 Volt. Die meisten Chips brauchen aber deutlich weniger. Ein Prozessorkern arbeitet oft mit weniger als einem Volt, Speicher und Schnittstellen mit 1,2 oder 1,8 Volt. Der PMIC muss also aus einer Eingangsspannung viele verschiedene, sehr genaue Ausgangsspannungen machen.
Dafür nutzt er zwei Arten von Wandlern. Schaltwandler, auch Buck-Wandler genannt, schalten den Strom sehr schnell ein und aus und glätten ihn mit einer Spule und Kondensatoren. Sie sind sehr effizient und versorgen Bauteile mit hohem Strombedarf wie den Prozessor. Linearregler sind einfacher und rauschärmer, verschwenden aber mehr Energie als Wärme. Sie versorgen empfindliche Bauteile mit geringem Strombedarf, etwa Sensoren oder Kameras.
Rund um den PMIC sitzen deshalb viele kleine Spulen und Kondensatoren. Sie gehören zu den Spannungswandlern. Fällt einer davon aus, fehlt die zugehörige Spannung, obwohl der PMIC selbst intakt ist.
Diese Effizienz ist entscheidend für die Akkulaufzeit. Jedes Prozent, das bei der Umwandlung verloren geht, fehlt am Ende des Tages.
Typische Spannungen im Überblick
| Spannung (ca.) | Versorgt typischerweise |
|---|---|
| Unter 1 Volt | Prozessorkerne, Grafikeinheit |
| 1,1 bis 1,2 Volt | Arbeitsspeicher |
| 1,8 Volt | Schnittstellen, Sensoren, viele Steuerchips |
| 2,8 bis 3,3 Volt | Kameras, Display-Logik, Funkmodule |
| Akkuspannung | Hauptversorgung, aus der alle anderen erzeugt werden |
Die genauen Werte unterscheiden sich je nach Gerät. In der Werkstatt helfen Schaltpläne und Boardviews, die richtigen Messpunkte und Sollwerte zu finden. Weicht eine Spannung ab oder fehlt sie, ist der Weg zum Fehler oft schon deutlich kürzer.
Moderne Prozessoren ändern ihre Spannung zudem ständig. Bei wenig Last sinkt sie, um Strom zu sparen, unter Volllast steigt sie. Der PMIC passt die Spannung dafür in Sekundenbruchteilen an.
Was einem PMIC schadet
Schlechte Ladegeräte
Billige Netzteile mit Spannungsspitzen belasten die Eingangsstufe der Stromversorgung.
Wasserschäden
Korrosion an den Bauteilen rund um den PMIC führt zu Kurzschlüssen oder Unterbrechungen.
Stürze und Verbiegen
Die Lötverbindungen unter dem Chip können brechen.
Defekte Akkus
Ein beschädigter oder minderwertiger Akku kann ungewöhnliche Lasten verursachen.
In vielen Fällen schützt sich der PMIC selbst. Erkennt er einen Kurzschluss oder eine Überhitzung, schaltet er die betroffene Spannung ab. Das Gerät startet dann nicht, aber der Chip bleibt heil. Der eigentliche Fehler liegt woanders und lässt sich oft mit vergleichsweise wenig Aufwand beheben.
Wie ein PMIC-Fehler eingegrenzt wird
Die Diagnose beginnt meist mit einem Labornetzteil. Das Gerät wird ohne Akku direkt angeschlossen, und die Stromaufnahme wird beim Einschalten beobachtet. Ein gesundes Gerät zeigt ein typisches Muster: Der Strom steigt in Stufen an, während die Bauteile nacheinander starten.
- Stromaufnahme beobachten. Bleibt sie bei null, kommt das Gerät gar nicht in Gang. Ein sofort hoher Strom deutet auf einen Kurzschluss.
- Wärme suchen. Mit einer Wärmebildkamera wird sichtbar, welches Bauteil sich bei einem Kurzschluss erwärmt.
- Spannungen messen. An den Ausgängen des PMIC wird geprüft, welche Spannungen anliegen und welche fehlen.
- Ursache beheben. Je nach Ergebnis wird ein kleines Bauteil getauscht oder der PMIC neu verlötet oder ersetzt.
Diese systematische Vorgehensweise verhindert, dass ein teurer Chip unnötig getauscht wird. Oft ist der Fehler ein einzelner Kondensator für wenige Cent, der einen Kurzschluss verursacht.
Mehrere Power-Management-Chips
Moderne Smartphones haben selten nur einen PMIC. Neben dem Hauptchip gibt es oft eigene Bausteine für die Kamera, das Display, den Mobilfunk oder das Laden. Bei manchen iPhones gibt es sogar mehrere größere PMICs auf der Platine, die sich die Aufgaben teilen.
Für die Diagnose bedeutet das: Fällt nur eine Funktion aus, etwa die Kamera oder das Display, kann ein spezialisierter Power-Chip betroffen sein. Das Gerät startet dann normal, aber die betroffene Komponente bekommt keinen Strom. Auch solche Fehler lassen sich mit Messungen gezielt finden.
PMIC und Akkuverbrauch im Standby
Der PMIC entscheidet auch, wie viel Strom das Gerät im Ruhezustand verbraucht. Er schaltet nicht benötigte Bereiche ab und hält nur das Nötigste am Laufen. Ein gesundes Smartphone verliert über Nacht deshalb nur wenige Prozent Akku.
Leert sich der Akku dagegen auffällig schnell, obwohl kaum Apps laufen und der Akku selbst in Ordnung ist, kann ein erhöhter Ruhestrom die Ursache sein. Ein Bauteil zieht dann dauerhaft Strom, etwa ein teilweise kurzgeschlossener Kondensator oder ein defekter Chip. Der PMIC kann das nicht verhindern, weil das Bauteil direkt an einer dauerhaft aktiven Spannung hängt.
In der Werkstatt lässt sich der Ruhestrom mit einem Labornetzteil messen. Liegt er deutlich über dem normalen Wert, wird die Platine nach dem verantwortlichen Bauteil abgesucht. Oft verrät es sich durch leichte Wärme.
Wann ein PMIC-Tausch an Grenzen stößt
Bei manchen Geräten ist ein Tausch des PMIC technisch möglich, aber nicht ohne Weiteres sinnvoll. Einige Hersteller koppeln bestimmte Chips mit dem Prozessor oder programmieren sie mit gerätespezifischen Daten. Ein neuer Chip funktioniert dann nur eingeschränkt oder gar nicht.
Hinzu kommt, dass ein PMIC oft unter dem Prozessor oder in dessen direkter Nähe sitzt. Beim Auslöten müssen umliegende Bauteile vor zu viel Hitze geschützt werden. Erfahrene Techniker nutzen dafür Abschirmungen, eine Vorheizplatte und genau abgestimmte Temperaturen.
Ehrliche Werkstätten sagen deshalb nach der Diagnose klar, ob eine Reparatur Aussicht auf Erfolg hat. Geht es vor allem um Daten, kann auch ein teilweiser Wiederaufbau sinnvoll sein, der das Gerät lange genug startet, um alles zu sichern.
Power Management bei Laptops
Auch Laptops haben eine aufwendige Stromversorgung. Statt eines einzelnen großen PMIC verteilen sich die Aufgaben dort meist auf mehrere Steuerchips und Wandler. Ein Chip steuert das Laden, andere erzeugen die Spannungen für Prozessor, Grafik und Speicher.
Typische Fehlerbilder sind ein Laptop, der nicht mehr lädt, nur am Netzteil läuft oder gar nicht startet. Häufig steckt ein Kurzschluss in einem der Wandler dahinter, etwa nach verschütteter Flüssigkeit. Mit einer gezielten Reparatur lässt sich das in vielen Fällen beheben.
Zusammengefasst ist der PMIC die Schaltzentrale der Stromversorgung. Er sorgt dafür, dass jedes Bauteil zur richtigen Zeit die richtige Spannung bekommt. Startet ein Gerät nicht mehr oder wird es ohne Grund heiß, ist die Stromversorgung ein naheliegender Verdacht. Eine gründliche Diagnose klärt, ob der Chip selbst oder ein kleines Bauteil in seiner Umgebung defekt ist.
Häufige Fragen
Ist der PMIC oft kaputt?
Seltener als man denkt. Häufiger liegt ein Kurzschluss an einer seiner Leitungen vor.
Was ist der Unterschied zum Lade-IC?
Der Lade-IC lädt den Akku. Der PMIC verteilt die Akkuspannung an alle Bauteile.
Kann ein PMIC durch ein billiges Ladegerät kaputtgehen?
Indirekt ja, wenn Überspannung durch die Ladeschaltung bis zu ihm durchkommt.
Bleiben die Daten erhalten?
In der Regel ja, wenn die Reparatur gelingt.