Auch ein ausgeschaltetes Handy ist nicht völlig stromlos. Einige Bauteile bleiben aktiv, etwa die Elektronik, die auf die Einschalttaste wartet, oder die Uhr. Dafür fließt ein sehr kleiner Strom, der Ruhestrom. Normalerweise ist er so gering, dass ein voller Akku viele Wochen hält. Ist er deutlich höher, liegt meist ein Fehler auf der Platine vor.
Woran du einen zu hohen Ruhestrom erkennst
Akku leer im Aus
Das Gerät war ausgeschaltet und ist nach einem Tag leer.
Wärme im Aus
Eine Stelle am Gerät wird warm, obwohl es aus ist.
Schnelle Entladung
Auch im Standby sinkt der Akkustand ungewöhnlich schnell.
Startet nicht
Das Gerät lässt sich nicht einschalten, weil die Spannung zusammenbricht.
Ein häufiger Auslöser ist ein Kurzschluss, etwa nach einem Wasserschaden. Ein winziges Bauteil wie ein Kondensator kann innerlich durchbrennen und dauerhaft Strom ziehen. Das verbraucht nicht nur den Akku, sondern kann auch Wärme erzeugen und weitere Schäden verursachen.
Wie wir den Ruhestrom messen
- Akku trennen. Das Gerät wird geöffnet und der Akku abgesteckt.
- Labornetzteil anschließen. Ein regelbares Netzteil ersetzt den Akku und zeigt den Strom genau an.
- Ruhestrom ablesen. Ist das Gerät aus und der Strom trotzdem hoch, liegt ein Fehler vor.
- Fehler eingrenzen. Mit Wärmebildkamera, Isopropylalkohol oder Kältespray wird das Bauteil gefunden, das warm wird.
Diese Methode zeigt sehr schnell, ob ein Gerät einen Hardware-Fehler hat. Sie ist auch ein wichtiger Test, bevor ein neuer Akku eingebaut wird. Ein Akkutausch hilft nicht, wenn die Platine den neuen Akku genauso schnell leert.
Häufige Ursachen
| Ursache | Typisches Szenario |
|---|---|
| Defekter Kondensator | Nach Sturz oder Wasserschaden |
| Korrosion | Feuchtigkeit hat Brücken zwischen Kontakten gebildet |
| Defekter Lade- oder Stromversorgungs-IC | Nach Laden mit schlechtem Netzteil |
| Eingeklemmtes Flexkabel | Nach einer Reparatur |
| Defekter Akku | Selbstentladung des Akkus selbst |
Wenn dein Gerät im Aus warm wird
Lade es nicht weiter und lass es zeitnah prüfen. Ein Bauteil, das dauerhaft Strom zieht, kann weitere Bauteile beschädigen.
Was genau mit Ruhestrom gemeint ist
Ruhestrom ist der Strom, den ein Gerät verbraucht, wenn es eigentlich nichts tut. Bei einem Smartphone ist das der Zustand mit ausgeschaltetem Display, ohne aktive Apps und ohne laufende Datenübertragung. Bei einem ausgeschalteten Gerät spricht man oft vom Standby- oder Ausschaltstrom. Auch dann fließt noch ein kleiner Strom, etwa für die Echtzeituhr und die Überwachung des Einschaltknopfs.
Ein gesundes Gerät hält diesen Strom sehr niedrig. Moderne Smartphones schalten im Ruhezustand ganze Bereiche des Prozessors ab, drosseln das Modem und versetzen den Speicher in einen Stromsparmodus. Der Verbrauch liegt dann bei einem Bruchteil dessen, was das Gerät bei aktiver Nutzung benötigt.
Ist der Ruhestrom zu hoch, entlädt sich der Akku auch ohne Nutzung spürbar. Das Gerät wird im Standby warm, und über Nacht verliert es deutlich mehr Akku, als es sollte. Die Ursache kann in der Software oder in der Hardware liegen.
Software oder Hardware?
Bevor ein Hardwarefehler vermutet wird, lohnt sich ein Blick auf die Software. Apps, die im Hintergrund ständig aktiv sind, verhindern, dass das Gerät in den Tiefschlaf geht. Typische Kandidaten sind Apps mit Standortzugriff, Messenger mit Fehlern in der Synchronisation oder Apps, die nach einem Update hängen bleiben.
Die Akkustatistik in den Einstellungen zeigt, welche Apps wie viel Energie verbraucht haben. Fällt eine App mit hohem Hintergrundverbrauch auf, hilft es oft, sie zu beenden, zu aktualisieren oder neu zu installieren. Auch ein Neustart kann hängende Prozesse beenden.
| Hinweis | Eher Software | Eher Hardware |
|---|---|---|
| Hoher Verbrauch in der Akkustatistik bei einer App | Ja | Selten |
| Gerät auch ausgeschaltet warm | Nein | Ja |
| Problem nach Update aufgetreten | Ja | Selten |
| Problem nach Sturz oder Wasserschaden | Selten | Ja |
| Akku leert sich auch im Flugmodus schnell | Möglich | Häufig |
Leert sich der Akku auch im ausgeschalteten Zustand oder nach einem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen auffällig schnell, liegt der Fehler sehr wahrscheinlich in der Hardware.
Hardware-Ursachen im Detail
Die häufigste Hardware-Ursache für erhöhten Ruhestrom ist ein Bauteil, das einen leichten Kurzschluss gegen Masse hat. Das ist kein vollständiger Kurzschluss, der das Gerät sofort lahmlegt, sondern ein Leckstrom. Typisch ist ein Kondensator, der durch einen Sturz einen feinen Riss bekommen hat, oder ein Bauteil, das nach einem Wasserschaden leicht korrodiert ist.
Auch ein Chip, der nicht mehr richtig abschaltet, kann den Ruhestrom erhöhen. Das betrifft zum Beispiel Audio-Chips, Ladechips oder Sensoren. Sie bleiben dann im aktiven Zustand, obwohl das Gerät sie eigentlich schlafen legen will. Manchmal steckt ein defektes Bauteil in der Ansteuerung dahinter, manchmal der Chip selbst.
Ein weiterer Faktor ist der Akku. Ein stark gealterter Akku kann eine erhöhte Selbstentladung haben. Er verliert dann Ladung, selbst wenn das Gerät gar keinen Strom zieht. Das ist streng genommen kein Ruhestromproblem, zeigt sich für dich aber genauso.
Die Messung in der Werkstatt
- Akku abklemmen. Statt des Akkus wird ein Labornetzteil angeschlossen.
- Ausgeschaltet messen. Der Strom wird bei ausgeschaltetem Gerät abgelesen.
- Vergleichen. Der Wert wird mit typischen Werten für das Modell verglichen.
- Eingrenzen. Bei zu hohem Strom wird mit Wärmebild oder Einspeisung das betroffene Bauteil gesucht.
- Reparieren und erneut messen. Nach dem Tausch muss der Strom wieder im normalen Bereich liegen.
Bei sehr kleinen Leckströmen erwärmt sich das defekte Bauteil kaum. Dann wird mit gezielter Spannungseinspeisung auf der verdächtigen Leitung gearbeitet. Das Bauteil wird so stärker belastet und erwärmt sich, bis es im Wärmebild sichtbar wird.
Eine andere Methode ist das Abtrennen einzelner Bereiche. Wird ein Bauteil oder eine Leitung testweise vom Rest getrennt und der Strom sinkt, ist der Fehler eingegrenzt. Das erfordert genaue Kenntnis der Schaltung und einen Schaltplan.
Ruhestrom bei Laptops
Auch Laptops kennen das Problem. Typisch ist ein Laptop, der zugeklappt im Ruhezustand über Nacht den gesamten Akku verliert. Hier spielt die Software eine besonders große Rolle. Manche Geräte wachen im Ruhezustand regelmäßig auf, um Updates zu laden oder Netzwerkverbindungen zu prüfen. Andere gehen wegen eines Treibers gar nicht richtig in den Ruhezustand.
Liegt ein Hardwarefehler vor, zeigt er sich oft auch, wenn der Laptop ganz ausgeschaltet ist. Ein Laptop, der nach einigen Tagen im ausgeschalteten Zustand deutlich weniger Akku hat, ist ein Fall für die Messung. Hier wird ähnlich vorgegangen wie beim Smartphone, nur mit höheren Spannungen und Strömen.
Was du selbst tun kannst
Du kannst einen einfachen Test machen. Lade dein Gerät voll, schalte es aus und lass es über Nacht liegen. Am nächsten Morgen sollte der Akkustand fast unverändert sein. Ein Verlust von wenigen Prozent ist normal. Hat das Gerät deutlich mehr verloren oder lässt es sich gar nicht mehr einschalten, stimmt etwas nicht.
Ein zweiter Test im eingeschalteten Zustand: Aktiviere den Flugmodus, schließe alle Apps und lass das Gerät mit ausgeschaltetem Display einige Stunden liegen. Auch hier sollte der Verbrauch gering sein. Ist er hoch, kann die Akkustatistik Hinweise geben, ob eine App die Ursache ist.
Tipp
Notiere dir die Ergebnisse deiner Tests. Sie helfen der Werkstatt, den Fehler schneller einzugrenzen.
Folgen eines dauerhaft erhöhten Ruhestroms
Ein erhöhter Ruhestrom ist nicht nur lästig, weil der Akku schneller leer ist. Er belastet den Akku auch langfristig. Ein Akku, der häufig tief entladen wird, altert schneller. Liegt ein Gerät mit hohem Ruhestrom längere Zeit unbenutzt herum, kann sich der Akku so weit entladen, dass er sich nicht mehr normal laden lässt.
Außerdem ist der Leckstrom oft ein Frühwarnzeichen. Ein Kondensator mit feinem Riss kann sich mit der Zeit verschlechtern, bis er einen vollständigen Kurzschluss bildet. Dann startet das Gerät gar nicht mehr. Wer bei auffälligem Akkuverbrauch früh handelt, verhindert oft größere Schäden.
Auch die Wärme spielt eine Rolle. Fließt ständig Strom durch ein defektes Bauteil, wird es warm. Das kann benachbarte Bauteile und den Akku zusätzlich belasten.
Hilft ein neuer Akku?
Ein neuer Akku hilft nur dann, wenn der alte Akku selbst die Ursache ist, etwa durch hohe Selbstentladung. Liegt der Fehler dagegen auf der Platine, entleert sich auch der neue Akku zu schnell. Deshalb wird in der Werkstatt vor einem Akku-Tausch geprüft, ob der Ruhestrom des Geräts im normalen Bereich liegt.
So wird vermieden, dass du einen neuen Akku bezahlst und das Problem trotzdem bleibt. Ist der Ruhestrom normal und der Akku zeigt eine geringe Kapazität oder hohe Selbstentladung, ist der Akku-Tausch die richtige Lösung.
Zusammengefasst ist der Ruhestrom einer der besten Indikatoren dafür, ob ein Gerät technisch gesund ist. Eine einfache Messung zeigt, ob der Akku oder die Platine Ursache eines hohen Verbrauchs ist. Damit lässt sich gezielt reparieren, statt auf Verdacht Teile zu tauschen.
Häufige Fragen
Ist ein gewisser Verbrauch im Aus normal?
Ja, ein sehr kleiner. Ein voller Akku sollte im Aus aber viele Wochen halten.
Kann der Akku selbst schuld sein?
Ja, alte oder beschädigte Akkus entladen sich schneller selbst.
Kann ich den Ruhestrom selbst messen?
Ohne Labornetzteil und Öffnen des Geräts nicht.
Ist ein hoher Ruhestrom gefährlich?
Er kann Wärme erzeugen und weitere Schäden verursachen. Lass es prüfen.
Gibt es das auch bei Laptops?
Ja, wenn ein Laptop im ausgeschalteten Zustand den Akku leert, ist das oft dasselbe Problem.