Hinter der Notch oder Dynamic Island sitzt bei iPhones ab dem iPhone X die TrueDepth-Kamera. Der Name beschreibt, dass sie Tiefe wahrnimmt. Neben der normalen Selfie-Kamera gehören Infrarotkamera, Dot-Projektor und Flood Illuminator dazu. Zusammen bilden sie die Grundlage für Face ID.
Die Bauteile im Überblick
| Bauteil | Aufgabe |
|---|---|
| Frontkamera | Normale Selfies und Videos |
| Infrarotkamera | Nimmt das Infrarot-Punktmuster auf |
| Dot-Projektor | Projiziert über 30.000 Infrarotpunkte |
| Flood Illuminator | Leuchtet das Gesicht mit Infrarot aus |
| Näherungssensor | Erkennt, ob etwas vor dem Display ist |
| Umgebungslichtsensor | Misst Helligkeit und Farbe des Umgebungslichts |
Mehr als nur Entsperren
Porträt-Selfies
Die Tiefeninformation trennt dich vom Hintergrund.
Animoji und Memoji
Mimik wird in Echtzeit auf Figuren übertragen.
Aufmerksamkeitserkennung
Das iPhone dimmt nicht, solange du hinschaust.
Apps
Manche Apps nutzen die Tiefendaten für Messungen oder Effekte.
Typische Fehler
Die Meldung „Ein Problem mit der TrueDepth-Kamera wurde erkannt. Face ID wurde deaktiviert“ zeigt einen Hardware-Fehler. Häufige Ursachen sind Stürze, Feuchtigkeit oder Schäden bei einer Reparatur. Funktioniert die Selfie-Kamera noch, Face ID aber nicht, ist oft der Dot-Projektor betroffen. Fällt beides aus, liegt das Problem eher am gemeinsamen Flexkabel oder Stecker.
Bei der Displayreparatur
Die TrueDepth-Bauteile sitzen beim iPhone nicht im Display, sondern im Gehäuse. Trotzdem liegen sie beim Displaytausch frei und müssen vorsichtig behandelt werden.
So bleibt die TrueDepth-Kamera funktionsfähig
Die TrueDepth-Kamera sitzt hinter dem Displayglas und ist deshalb gut geschützt. Die größten Gefahren sind Stürze auf die Oberkante, Feuchtigkeit und Schäden bei Reparaturen. Ein Displayschutz sollte über den Sensoren klar und blasenfrei sein, sonst erkennt Face ID schlechter. Bei Displayrissen genau über der Notch oder Dynamic Island kann auch die Erkennung leiden, obwohl die Bauteile selbst unbeschädigt sind.
Wird das Display getauscht, müssen bei den meisten iPhones keine Face ID-Teile bewegt werden. Bei einigen Modellen sitzt aber das Flexkabel mit Lautsprecher, Näherungssensor und Lichtsensor am Display und muss umgesetzt werden. Sorgfalt ist dann entscheidend.
So testest du die TrueDepth-Kamera
- Selfie-Kamera öffnen. Funktioniert das normale Bild, ist die Frontkamera in Ordnung.
- Porträtmodus testen. Der Unschärfe-Effekt bei Selfies nutzt Tiefeninformationen.
- Memoji ausprobieren. In Nachrichten ein Memoji aufnehmen. Folgt es deiner Mimik, arbeitet die Tiefenerkennung.
- Face ID einrichten. Klappt die Einrichtung, ist das gesamte System funktionsfähig.
Wie die TrueDepth-Kamera Tiefe misst
Eine normale Kamera sieht nur ein flaches Bild. Die TrueDepth-Kamera erfasst zusätzlich, wie weit jeder Punkt eines Gesichts entfernt ist. Dafür nutzt sie ein Verfahren mit strukturiertem Licht. Der Dot-Projektor wirft ein Muster aus unsichtbaren Infrarotpunkten auf dein Gesicht. Die Infrarotkamera fotografiert dieses Muster.
Weil dein Gesicht gewölbt ist, verzerren sich die Punkte. Auf der Nase liegen sie anders als auf den Wangen oder am Kinn. Aus dieser Verzerrung berechnet das iPhone eine dreidimensionale Karte deines Gesichts. Diese Tiefenkarte ist die Grundlage für Face ID und viele weitere Funktionen.
Weil das System mit Infrarotlicht arbeitet, funktioniert es auch im Dunkeln. Der Flood Illuminator leuchtet das Gesicht dabei unsichtbar aus, damit die Infrarotkamera genug sieht.
Das Muster aus Infrarotpunkten ist für das menschliche Auge unsichtbar. Mit manchen Digitalkameras, die Infrarot nicht vollständig herausfiltern, lassen sich die Punkte aber sichtbar machen. So lässt sich in der Werkstatt prüfen, ob der Dot-Projektor überhaupt noch arbeitet.
Die TrueDepth-Kamera über die Jahre
Seit der Einführung mit dem iPhone X hat Apple das System mehrfach verkleinert und verbessert. Die Funktionen sind ähnlich geblieben, aber die Bauteile wurden kompakter und die Erkennung schneller.
| Generation | Typische Modelle | Veränderung |
|---|---|---|
| Erste Notch | iPhone X bis iPhone 12 | Breite Aussparung oben im Display |
| Kleinere Notch | iPhone 13 und 14 | Kompaktere Bauteile, schmalere Notch |
| Dynamic Island | Ab iPhone 14 Pro, ab iPhone 15 alle | Aussparung als Insel im Display |
Auch iPads haben eine TrueDepth-Kamera. Seit dem iPad Pro von 2018 lässt sich das iPad per Face ID entsperren. Dort sitzt die Kamera im Displayrahmen statt in einer Notch.
Neben dem iPhone nutzen auch Apps die Tiefendaten der TrueDepth-Kamera, etwa für Effekte in Videoanrufen oder Augmented-Reality-Filter. Weil die Daten in Echtzeit entstehen, folgen solche Effekte deinem Gesicht sehr genau, auch wenn du dich bewegst.
Die Frontkamera als Teil des Systems
Der sichtbarste Teil der TrueDepth-Kamera ist die normale Frontkamera. Auch sie hat sich über die Jahre deutlich verbessert. Seit dem iPhone 14 hat sie einen Autofokus, frühere Modelle arbeiteten mit festem Fokus. Dadurch werden Selfies aus unterschiedlichen Abständen schärfer.
Zusammen mit den Tiefendaten ermöglicht die Frontkamera Porträt-Selfies mit unscharfem Hintergrund und nachträglich änderbarer Lichtstimmung. Auch Videoanrufe profitieren davon, etwa wenn Apps den Hintergrund ausblenden.
Ist nur die Frontkamera defekt, also das Bild unscharf, fleckig oder schwarz, während Face ID weiter funktioniert, ist meist ein Tausch dieses einzelnen Moduls ausreichend.
Was mit deinen Gesichtsdaten passiert
Viele Menschen fragen sich, ob ihr Gesicht irgendwo gespeichert wird. Nach Angaben von Apple bleiben die Face-ID-Daten auf dem Gerät. Sie werden verschlüsselt in einem besonders geschützten Bereich des Chips gespeichert, der Secure Enclave. Sie werden weder in die iCloud geladen noch an Apple übertragen.
Gespeichert wird zudem kein Foto, sondern eine mathematische Darstellung deines Gesichts. Apps, die Face ID zum Anmelden nutzen, erfahren nur, ob die Erkennung erfolgreich war. Dein Gesicht selbst bekommen sie nicht zu sehen.
Auch für Effekte wie Memoji oder Filter in Apps kann die TrueDepth-Kamera Tiefendaten liefern. Dafür muss die App aber Zugriff auf die Kamera haben, den du in den Einstellungen jederzeit entziehen kannst.
Face ID mit Maske und Brille
Seit iOS 15.4 kann Face ID auf dem iPhone 12 und neueren Modellen auch mit Maske entsperren. Dafür wertet die TrueDepth-Kamera vor allem den Bereich rund um die Augen aus. Diese Option musst du in den Einstellungen gesondert aktivieren.
Brillen sind für Face ID meist kein Problem. Bei manchen Sonnenbrillen kann die Erkennung aber scheitern, weil die Gläser Infrarotlicht blockieren. Dann hilft es, die Brille kurz abzunehmen oder den Code einzugeben.
Brille
Funktioniert in den meisten Fällen problemlos.
Sonnenbrille
Manche Gläser blockieren Infrarot, dann klappt es nicht.
Maske
Ab iPhone 12 mit aktivierter Option möglich.
Wenn Face ID nur manchmal klappt
Nicht jeder Aussetzer ist ein Hardwaredefekt. Erkennt dich Face ID nur gelegentlich nicht, liegt das oft an einfachen Ursachen. Die TrueDepth-Kamera braucht freie Sicht und einen passenden Abstand zum Gesicht.
- Sensorbereich reinigen Fett, Staub oder Make-up auf dem Glas über der Notch stören die Infrarotpunkte.
- Schutzglas prüfen Ein Schutzglas mit Blasen oder einer dunklen Aussparung kann die Sensoren abdecken.
- Abstand anpassen Halte das iPhone etwa eine Armlänge oder näher vor dein Gesicht.
- Alternatives Erscheinungsbild In den Einstellungen kannst du ein zweites Erscheinungsbild anlegen, etwa mit Arbeitsbrille.
- Face ID neu einrichten Setze Face ID zurück und richte es neu ein, wenn die Erkennung dauerhaft schlechter geworden ist.
Zeigt das iPhone dagegen die Meldung, dass ein Problem mit der TrueDepth-Kamera erkannt wurde, oder lässt sich Face ID gar nicht mehr einrichten, helfen diese Schritte nicht. Dann liegt ein Hardwarefehler vor.
Warum Reparaturen an der TrueDepth-Kamera heikel sind
Die Bauteile für Face ID sind mit dem Logicboard des iPhones gekoppelt. Das soll verhindern, dass jemand die Sensoren austauscht, um die Gesichtserkennung zu überlisten. Für Reparaturen bedeutet das: Ein Dot-Projektor oder eine Infrarotkamera aus einem anderen Gerät funktioniert nicht einfach so.
Fällt Face ID nach einem Sturz aus, ist deshalb eine genaue Diagnose wichtig. Manchmal ist nur ein Flexkabel beschädigt, das sich ersetzen lässt. Ist der Dot-Projektor selbst defekt, helfen in manchen Fällen nur spezielle Mikrolöt-Technik und das Übertragen des Originalchips weiter. Ob das bei deinem Modell möglich ist, klären wir vorab.
Die Frontkamera für Selfies lässt sich dagegen meist unabhängig von Face ID tauschen. Sie sitzt zwar im selben Bereich, ist aber ein eigenes Bauteil.
Zusammengefasst ist die TrueDepth-Kamera weit mehr als eine Selfie-Kamera. Sie misst Tiefe, schützt dein iPhone mit Face ID und ermöglicht Porträt-Selfies und Memoji. Fällt sie aus, ist eine sorgfältige Diagnose der erste Schritt zur Reparatur.
Bei uns bekommst du vorab eine ehrliche Einschätzung, ob und wie sich Face ID bei deinem Modell wiederherstellen lässt. Erst danach entscheidest du, ob die Reparatur gemacht wird.
Häufige Fragen
Ist TrueDepth dasselbe wie Face ID?
TrueDepth ist die Hardware, Face ID eine Funktion, die sie nutzt.
Kann ich nur die Selfie-Kamera tauschen?
Bei vielen Modellen ja. Die Face ID-Bauteile müssen dabei unbeschädigt bleiben.
Warum ist meine Selfie-Kamera unscharf?
Häufig Schmutz oder ein Displayschutz über der Kamera. Selten ist der Autofokus defekt.
Welche iPhones haben keine TrueDepth-Kamera?
iPhone 8 und älter sowie alle iPhone SE Modelle.