Retina-Display ist ein Markenname von Apple. Er bedeutet, dass die Pixel so dicht sitzen, dass dein Auge sie beim üblichen Abstand nicht mehr einzeln erkennt. Schrift und Bilder wirken dadurch gestochen scharf. Ob dahinter ein LCD oder ein OLED steckt, verrät der Name nicht.
Was bedeutet Retina?
Die Retina ist die Netzhaut im Auge. Apple hat den Namen mit dem iPhone 4 eingeführt. Damals hatte das Display 326 Pixel pro Zoll, deutlich mehr als bei anderen Handys. Wie viele Pixel pro Zoll für „Retina“ nötig sind, hängt vom Abstand ab: Ein Handy hältst du näher vor die Augen als ein Laptop, deshalb braucht es eine höhere Pixeldichte.
Die Retina-Varianten im Überblick
| Name | Technik | Beispiele |
|---|---|---|
| Retina | LCD | iPhone 4 bis iPhone 5s, ältere iPads und Macs |
| Retina HD | LCD | iPhone 6 bis iPhone 8, iPhone SE (2. und 3. Generation) |
| Liquid Retina | LCD | iPhone XR, iPhone 11, viele iPads, MacBook Air |
| Super Retina / Super Retina XDR | OLED | iPhone X und neuere OLED-iPhones |
| Liquid Retina XDR | LCD mit Mini-LED | iPad Pro (ab 2021), MacBook Pro 14 und 16 Zoll |
Mehr zu den XDR-Varianten findest du unter XDR-Display.
So findest du heraus, welches Display du hast
- Modell ermitteln. Unter Einstellungen › Allgemein › Info siehst du den Modellnamen.
- Technische Daten nachschlagen. Auf der Apple Website steht bei jedem Modell der genaue Display-Name.
- Schwarz-Test. Ein schwarzes Bild im Dunkeln: schimmert es grau, ist es ein LCD, bleibt es tiefschwarz, ist es ein OLED.
Was bedeutet das für die Reparatur?
Für die Reparatur zählt vor allem, welche Technik verbaut ist. Ein Super Retina Display ist ein OLED und sollte wieder durch ein OLED ersetzt werden. Ein Liquid Retina Display ist ein LCD, hier sind die Ersatzteile meist günstiger.
Schärfe bleibt
Auch gute Ersatz-Displays haben in der Regel dieselbe Auflösung wie das Original.
Farben und Helligkeit
Hier unterscheiden sich Original, OEM und Nachbau am stärksten.
True Tone
Nach dem Tausch muss True Tone durch Übertragung der Display-Daten wiederhergestellt werden.
Systemhinweis
Neuere iPhones zeigen nach einem Displaytausch einen Hinweis zum verbauten Teil an.
Pixeldichte im Vergleich
Die Pixeldichte wird in ppi gemessen, Pixel pro Zoll. Je kleiner der Abstand zum Auge, desto höher muss sie sein, damit das Bild scharf wirkt.
| Gerät | Typische Pixeldichte | Typischer Abstand |
|---|---|---|
| iPhone 4 (erstes Retina) | 326 ppi | Etwa 25 bis 30 cm |
| Aktuelle iPhones | Rund 450 bis 460 ppi | Etwa 25 bis 30 cm |
| iPad | Rund 264 ppi | Etwa 35 bis 40 cm |
| MacBook | Rund 220 bis 250 ppi | Etwa 50 cm |
Die Werte schwanken je nach Modell. Sie zeigen aber, warum ein Laptop mit weniger Pixeln pro Zoll trotzdem als Retina gilt.
Ein Marketingbegriff mit wahrem Kern
Als Apple 2010 das Retina-Display vorstellte, lautete das Versprechen: Bei normalem Leseabstand kann das menschliche Auge keine einzelnen Pixel mehr unterscheiden. Für das iPhone nannte Apple einen Abstand von etwa 25 bis 30 Zentimetern. Fachleute diskutierten damals, ob die Grenze wirklich genau dort liegt, denn Menschen mit sehr gutem Sehvermögen können feinere Details erkennen.
Unabhängig von dieser Diskussion war der Sprung deutlich sichtbar. Text wirkte plötzlich wie gedruckt, und Fotos zeigten feinere Details. Andere Hersteller zogen schnell nach, und heute haben praktisch alle Smartphones eine Pixeldichte, die mindestens auf Retina-Niveau liegt.
Retina ist deshalb heute weniger ein technisches Alleinstellungsmerkmal als ein Markenname. Er steht bei Apple für Displays, deren Pixeldichte zum typischen Betrachtungsabstand des Geräts passt.
Interessant ist, dass Apple den Begriff nie an eine feste Zahl gebunden hat. Ein Retina-iPhone hat eine deutlich höhere Pixeldichte als ein Retina-iMac, obwohl beide denselben Namen tragen.
Auch die Apple Watch hat ein Retina-Display. Weil sie meist nur kurz und aus geringem Abstand betrachtet wird, setzt Apple hier auf OLED mit hoher Pixeldichte und einer sehr sparsamen Ansteuerung für das Always-on-Display.
Retina beim Mac
2012 kam das Retina-Display mit dem MacBook Pro auf den Mac. Später folgten iMac, MacBook Air und externe Monitore. Weil man einen Laptop oder Monitor weiter entfernt betrachtet als ein Smartphone, reicht dort eine geringere Pixeldichte für ein scharfes Bild.
macOS nutzt auf Retina-Displays eine Skalierung. Die Oberfläche wird mit doppelter Auflösung dargestellt, sodass Schrift und Symbole gleich groß bleiben, aber viel schärfer aussehen. In den Systemeinstellungen kannst du die Darstellung anpassen, um mehr Platz auf dem Bildschirm oder größere Schrift zu bekommen.
Bei externen Monitoren lohnt sich ein Blick auf die Pixeldichte. Ein Monitor mit geringer Auflösung wirkt neben einem Retina-MacBook oft unscharf. Für eine ähnliche Schärfe braucht ein 27-Zoll-Monitor etwa 5K-Auflösung.
Retina beim iPad
Alle aktuellen iPads haben ein Retina-Display, aber nicht alle sind gleich aufgebaut. Ein wichtiger Unterschied liegt in der Laminierung. Bei iPad Pro, iPad Air und iPad mini sind Glas, Touchschicht und Display miteinander verklebt. Das Bild wirkt dadurch, als läge es direkt auf der Oberfläche.
Bei manchen Basismodellen des iPad gibt es dagegen einen kleinen Luftspalt zwischen Glas und Display. Das fällt beim Schreiben mit dem Apple Pencil auf, weil die Spitze minimal über dem Bild schwebt. Außerdem spiegelt das Glas etwas stärker. Für die Reparatur hat der Spalt aber einen Vorteil: Glas und Display lassen sich oft getrennt tauschen.
Das iPad Pro mit Ultra Retina XDR nutzt inzwischen OLED-Technik mit zwei übereinanderliegenden Leuchtschichten. Es erreicht dadurch eine sehr hohe Helligkeit, ist aber auch besonders aufwendig in der Reparatur.
ProMotion, HDR und Helligkeit
Neuere Retina-Displays bieten mehr als nur Schärfe. Viele Modelle unterstützen ProMotion, also eine variable Bildwiederholrate bis 120 Hertz. Scrollen und Animationen wirken dadurch flüssiger. Gleichzeitig kann die Rate bei ruhigen Inhalten sinken, um Strom zu sparen.
XDR-Displays erreichen außerdem sehr hohe Spitzenhelligkeiten und unterstützen HDR. Fotos und Videos mit großem Kontrastumfang zeigen dadurch hellere Lichter und mehr Details in dunklen Bereichen. Im Sonnenlicht bleibt das Display besser ablesbar.
| Funktion | Was sie bringt | Typisch bei |
|---|---|---|
| ProMotion | Flüssigeres Scrollen, Akku sparen | iPhone Pro, iPad Pro, MacBook Pro |
| HDR | Mehr Kontrast bei Fotos und Videos | XDR-Displays |
| True Tone | Farbtemperatur passt sich dem Licht an | Die meisten aktuellen Apple-Displays |
| Always-on | Sperrbildschirm bleibt sichtbar | iPhone Pro ab 14 Pro |
Retina-Displays und die Augen
Ein scharfes Display ist angenehmer zu lesen, weil das Auge weniger Arbeit hat, unscharfe Kanten auszugleichen. Trotzdem gibt es Punkte, die du für entspanntes Sehen beachten solltest.
Helligkeit anpassen
Die automatische Helligkeit passt das Display an die Umgebung an und schont die Augen.
Night Shift
Wärmere Farben am Abend können das Lesen im Dunkeln angenehmer machen.
Abstand halten
Die Funktion Bildschirmabstand warnt, wenn du das iPhone zu nah vor die Augen hältst.
Pausen machen
Ein kurzer Blick in die Ferne entspannt die Augen bei langer Bildschirmarbeit.
Manche Menschen reagieren empfindlich auf das Flimmern, mit dem OLED-Displays bei niedriger Helligkeit gedimmt werden. Wer davon Kopfschmerzen bekommt, findet in den Bedienungshilfen Optionen, die helfen können, etwa eine Reduzierung des Weißpunkts statt sehr niedriger Helligkeit.
Bei iPads und MacBooks findest du in den Einstellungen außerdem Optionen für Textgröße und Kontrast. Sie helfen, wenn dir die Darstellung trotz hoher Schärfe zu klein erscheint.
Retina-Displays richtig reinigen
Die Oberfläche moderner Displays hat eine fettabweisende Beschichtung. Sie sorgt dafür, dass Fingerabdrücke sich leicht entfernen lassen. Aggressive Reiniger, Alkohol in hoher Konzentration oder Glasreiniger mit Ammoniak können diese Beschichtung mit der Zeit angreifen.
Für die tägliche Reinigung reicht ein weiches, leicht angefeuchtetes Mikrofasertuch. Apple erlaubt zur Desinfektion auch Tücher mit 70 Prozent Isopropylalkohol, solange keine Flüssigkeit in Öffnungen gelangt. Bei MacBooks mit entspiegeltem Nanotexturglas gilt eine Besonderheit: Hier solltest du nur das spezielle Poliertuch verwenden.
Zusammengefasst steht Retina für Apples scharfe Displays, deren Pixel aus normalem Abstand nicht mehr sichtbar sind. Dahinter stecken je nach Gerät LCD- oder OLED-Technik. Für die Reparatur ist genau dieser Unterschied entscheidend, damit Bildqualität und Funktionen nach einem Tausch erhalten bleiben.
Nach einem Displaytausch lohnt sich ein kurzer Vergleich: Wirken Farben, Helligkeit und Schärfe wie vorher, wurde ein passendes Ersatzteil verbaut.
Häufige Fragen
Ist Retina eine eigene Display-Technik?
Nein. Retina ist ein Markenname für hohe Pixeldichte. Die Technik dahinter ist LCD oder OLED.
Haben alle Apple Geräte ein Retina-Display?
Alle aktuellen iPhones, iPads und Macs mit eingebautem Display ja.
Ist Super Retina besser als Liquid Retina?
Super Retina ist ein OLED mit echtem Schwarz und höherem Kontrast. Liquid Retina ist ein LCD, gut, aber kontrastärmer.
Verliere ich nach einem Displaytausch die Retina-Schärfe?
In der Regel nicht, die Auflösung bleibt gleich. Unterschiede zeigen sich eher bei Farben, Helligkeit und Touch.
Haben Android-Handys auch Retina-Displays?
Den Namen nutzt nur Apple. Viele Android-Handys haben aber eine vergleichbare oder höhere Pixeldichte.