ADB ist ein kostenloses Kommandozeilen-Werkzeug von Google. Damit kann ein Computer über USB oder WLAN mit einem Android-Gerät sprechen. Entwickler testen damit Apps, Werkstätten lesen Informationen aus, und erfahrene Nutzer passen ihr Gerät an. Voraussetzung ist, dass USB-Debugging auf dem Handy aktiviert ist.
USB-Debugging aktivieren
- Entwickleroptionen freischalten. Einstellungen › Über das Telefon › siebenmal auf die Build-Nummer tippen. Bei Samsung unter Softwareinformationen.
- USB-Debugging einschalten. In den Entwickleroptionen den Schalter aktivieren.
- Verbinden. Handy per Kabel an den Computer anschließen.
- Zulassen. Auf dem Handy erscheint eine Abfrage, ob der Computer vertrauenswürdig ist. Nur bestätigen, wenn es dein Computer ist.
Was man mit ADB machen kann
| Aufgabe | Beispiel |
|---|---|
| Apps installieren | App-Dateien direkt vom Computer aufspielen |
| Dateien übertragen | Fotos oder Backups kopieren |
| Systeminfos auslesen | Akkustatistiken, Fehlerprotokolle |
| Neustart in Sondermodi | In den Recovery-Modus oder Bootloader |
| Systemapps deaktivieren | Vorinstallierte Apps ausblenden |
ADB und Datenrettung
Ist das Display defekt, das Handy aber sonst funktionsfähig, kann ADB helfen, an Daten zu kommen, sofern USB-Debugging schon vorher aktiviert war und der Computer zugelassen wurde. Mit Zusatzprogrammen lässt sich der Bildschirm dann sogar am Computer anzeigen und bedienen. Ist USB-Debugging aus, funktioniert das nicht, weil die Freigabe auf dem Handy bestätigt werden muss.
Sicherheit
Schalte USB-Debugging wieder aus, wenn du es nicht brauchst. Ein Gerät mit aktivem Debugging ist an fremden Computern angreifbarer.
ADB am Computer einrichten
ADB ist Teil der „SDK Platform Tools“, die Google kostenlos für Windows, macOS und Linux anbietet. Nach dem Entpacken öffnest du eine Kommandozeile im Ordner und prüfst mit dem Befehl adb devices, ob dein Handy erkannt wird. Unter Windows braucht es teilweise einen USB-Treiber des Herstellers. Seit Android 11 funktioniert ADB auch drahtlos über WLAN, wenn Handy und Computer im selben Netz sind.
Wofür Werkstätten ADB nutzen
In der Werkstatt hilft ADB bei der Fehlersuche. Fehlerprotokolle zeigen, ob ein Neustart durch Software oder Hardware ausgelöst wurde. Auch der Zustand des Akkus und Ladezyklen lassen sich bei manchen Geräten auslesen. Für normale Reparaturen wie Display- oder Ladebuchsen-Tausch ist ADB aber nicht nötig.
Wie ADB funktioniert
ADB steht für Android Debug Bridge. Es ist ein Kommandozeilenwerkzeug, mit dem ein Computer direkt mit einem Android-Gerät kommunizieren kann. Ursprünglich wurde es für App-Entwickler geschaffen, die ihre Apps auf echten Geräten testen wollen. Heute nutzen es auch Werkstätten, Technikbegeisterte und Administratoren.
ADB besteht aus drei Teilen. Der Client läuft auf dem Computer und nimmt deine Befehle entgegen. Ein Server, ebenfalls auf dem Computer, verwaltet die Verbindungen zu den Geräten. Auf dem Android-Gerät selbst läuft ein Hintergrunddienst, der die Befehle ausführt. Die drei Teile arbeiten zusammen, sobald das Gerät per USB oder WLAN verbunden ist.
ADB ist Teil der Android SDK Platform Tools, die Google kostenfrei für Windows, macOS und Linux bereitstellt. Eine vollständige Entwicklungsumgebung ist dafür nicht nötig. Es reicht, das kleine Paket herunterzuladen und zu entpacken.
Wichtige ADB-Befehle im Überblick
| Befehl | Was er macht |
|---|---|
| adb devices | Listet alle verbundenen Geräte auf |
| adb install app.apk | Installiert eine App vom Computer aus |
| adb pull | Kopiert Dateien vom Gerät auf den Computer |
| adb push | Kopiert Dateien vom Computer auf das Gerät |
| adb shell | Öffnet eine Kommandozeile auf dem Gerät |
| adb logcat | Zeigt das Systemprotokoll in Echtzeit |
| adb reboot recovery | Startet das Gerät in den Recovery-Modus |
| adb reboot bootloader | Startet das Gerät in den Bootloader |
Mit adb shell erhältst du Zugriff auf eine Linux-Kommandozeile auf dem Gerät. Darüber lassen sich Einstellungen ändern, Apps deaktivieren oder Systeminformationen abfragen. Ohne Root-Rechte sind die Möglichkeiten aber begrenzt. Systemdateien lassen sich so nicht verändern.
Besonders nützlich für die Fehlersuche ist logcat. Das Systemprotokoll zeigt, was im Hintergrund passiert, etwa welche App abstürzt oder warum ein Gerät neu startet. Für Laien ist die Ausgabe oft schwer zu lesen, für Fachleute ist sie eine wertvolle Informationsquelle.
Für Werkstätten ist außerdem der Befehl adb shell dumpsys interessant. Er liefert detaillierte Informationen über Akku, Sensoren, Speicher und Netzwerk. So lässt sich zum Beispiel der Gesundheitszustand des Akkus auslesen oder prüfen, ob ein Sensor vom System erkannt wird.
ADB über WLAN
Seit Android 11 gibt es das sogenannte kabellose Debugging. Damit kann ADB ohne USB-Kabel über das WLAN mit dem Gerät kommunizieren. Computer und Smartphone müssen dafür im selben Netzwerk sein. Die Verbindung wird über einen Kopplungscode oder einen QR-Code hergestellt.
Das ist praktisch, wenn die Ladebuchse defekt ist. Sofern kabelloses Debugging bereits eingerichtet oder über das Display noch aktivierbar ist, lassen sich Daten auch ohne funktionierende Buchse übertragen. Voraussetzung ist allerdings, dass das Display bedienbar ist, denn die Kopplung muss auf dem Gerät bestätigt werden.
Sicherheit und Autorisierung
Damit nicht jeder Computer auf dein Gerät zugreifen kann, verlangt Android eine Autorisierung. Beim ersten Verbinden erscheint auf dem Gerät eine Abfrage mit einem digitalen Fingerabdruck des Computers. Erst wenn du sie bestätigst, akzeptiert das Gerät ADB-Befehle von diesem Computer. Das Gerät muss dafür entsperrt sein.
Diese Sicherheitsfunktion ist sinnvoll, hat aber Folgen für die Datenrettung. Ist das Display defekt und war USB-Debugging nicht vorher aktiviert und der Computer nicht autorisiert, lässt sich ADB nicht mehr nutzen. Genau deshalb kann ADB nicht in jedem Fall bei der Datenrettung helfen.
Wichtig
Lass USB-Debugging im Alltag lieber deaktiviert, wenn du es nicht brauchst. Und bestätige die Autorisierung nur bei Computern, denen du vertraust, denn ein autorisierter Computer hat weitreichenden Zugriff auf dein Gerät.
ADB bei kaputtem Display
Ein häufiger Fall in der Werkstatt: Das Display ist zerbrochen oder schwarz, das Gerät läuft aber noch. Fotos und Daten sollen gesichert werden. War USB-Debugging aktiviert und ist der Computer autorisiert, lassen sich Dateien mit adb pull herunterladen. Auch die Bildschirmsteuerung über den Computer ist dann mit zusätzlichen Programmen möglich.
War USB-Debugging nicht aktiv, gibt es andere Wege. Oft lässt sich ein externer Monitor über USB-C anschließen oder eine Maus per Adapter verbinden, um das Gerät zu bedienen. In anderen Fällen ist ein provisorischer Displaytausch der schnellste Weg, um die Daten zu sichern.
| Ausgangslage | Möglicher Weg zur Datensicherung |
|---|---|
| Debugging aktiv, Computer autorisiert | Daten per ADB herunterladen |
| Debugging aus, Touch funktioniert | Debugging blind aktivieren ist schwierig, eher Monitor anschließen |
| Display schwarz, Gerät läuft | Monitor oder Maus per Adapter, ggf. Ersatzdisplay |
| Gerät startet nicht | Reparatur der Platine nötig, bevor ADB hilft |
Was ADB nicht kann
ADB ist ein mächtiges Werkzeug, aber kein Generalschlüssel. Es umgeht keine Displaysperre und keine Verschlüsselung. Wer die PIN eines Geräts nicht kennt, kommt auch mit ADB nicht an die Daten. Das ist bewusst so gewollt und schützt deine Daten vor fremdem Zugriff.
Auch bei Hardwaredefekten hilft ADB nur, wenn das Gerät noch startet und das Betriebssystem läuft. Startet das Gerät nicht mehr oder hängt in einer Bootschleife, ist zuerst eine Reparatur nötig. Erst danach lassen sich die Daten auf normalem Weg oder über ADB sichern.
ADB und Fastboot
Neben ADB enthalten die Platform Tools ein zweites Werkzeug: Fastboot. Während ADB mit einem laufenden Android-System spricht, arbeitet Fastboot im Bootloader-Modus, also bevor Android überhaupt startet. Mit Fastboot lassen sich der Bootloader entsperren und Systempartitionen neu beschreiben.
Beide Werkzeuge werden oft zusammen genutzt. Mit adb reboot bootloader wird das Gerät in den Bootloader geschickt, dann übernimmt Fastboot. Das ist etwa nötig, um ein offizielles Firmware-Image neu aufzuspielen, wenn das System beschädigt ist. Viele Hersteller stellen dafür eigene Images und Anleitungen bereit.
Wichtig: Das Entsperren des Bootloaders löscht bei den meisten Geräten alle Daten. Es ist eine Sicherheitsmaßnahme, damit niemand mit einem fremden Gerät auf diesem Weg an die Daten kommt.
Updates per ADB Sideload
Eine weitere Funktion ist der sogenannte Sideload. Dabei wird ein offizielles Update-Paket vom Computer aus über den Recovery-Modus installiert. Das ist hilfreich, wenn ein Update über das Internet fehlschlägt oder ein Gerät nach einem fehlerhaften Update nicht mehr richtig startet.
Der Befehl lautet adb sideload, gefolgt vom Namen der Update-Datei. Im Recovery-Modus des Geräts muss vorher die Option zum Anwenden eines Updates über ADB gewählt werden. Wichtig ist, nur offizielle Pakete des Herstellers für genau dieses Modell zu verwenden. Ein falsches Paket kann das Gerät unbrauchbar machen.
Zusammengefasst ist ADB ein Werkzeug, das vor allem Fachleuten und Technikinteressierten nützt. Für die Datenrettung ist es ein wertvoller Weg, aber nur wenn es vorher aktiviert war und das Gerät noch startet. Wenn du deine Daten absichern willst, ist ein regelmäßiges Backup die zuverlässigere Lösung.
Bei einem defekten Gerät mit wichtigen Daten lohnt sich in jedem Fall eine Einschätzung in der Werkstatt. Wir prüfen, welcher Weg zur Datenrettung bei deinem Gerät möglich ist.
Häufige Fragen
Ist ADB gefährlich?
Nicht an sich. Falsche Befehle können aber Probleme verursachen.
Brauche ich Root für ADB?
Nein, für die meisten Funktionen nicht.
Was ist der Unterschied zu Fastboot?
ADB funktioniert bei laufendem Android oder im Recovery, Fastboot im Bootloader-Modus.
Gibt es ADB für das iPhone?
Nein, Apple nutzt andere Werkzeuge.