Fast jede Diagnose auf einer Platine beginnt mit einem Multimeter. Das handliche Messgerät vereint mehrere Funktionen: Es misst Spannung, Strom und Widerstand und prüft, ob zwei Punkte verbunden sind. Für die Reparatur von Smartphones und Laptops ist vor allem der Diodenmodus wichtig, weil sich damit Kurzschlüsse und Unterbrechungen finden lassen, ohne das Gerät einzuschalten.
Die wichtigsten Messarten
| Messart | Wofür |
|---|---|
| Spannung (V) | Liegt die richtige Spannung an? |
| Widerstand (Ω) | Hat ein Bauteil den richtigen Wert? |
| Durchgang | Sind zwei Punkte verbunden? Das Gerät piept. |
| Diodenmodus | Werte von Leitungen vergleichen, Kurzschlüsse finden |
| Strom (A) | Wie viel Strom zieht ein Gerät? |
Wie das Multimeter in der Reparatur hilft
Bei der Durchgangsprüfung wird etwa geprüft, ob eine Leiterbahn nach einem Wasserschaden noch intakt ist. Bei der Diodenmessung werden die Werte der Anschlüsse eines Steckers mit Referenzwerten verglichen. Ein Wert nahe null bedeutet Kurzschluss, ein fehlender Wert eine Unterbrechung. Mit Spannungsmessungen am laufenden Gerät wird überprüft, ob die Stromversorgung funktioniert.
Ohne Strom
Diodenmodus und Durchgang funktionieren am ausgeschalteten Gerät.
Präzise
Feine Spitzen erreichen winzige Messpunkte.
Kurzschluss
Wird schnell sichtbar.
Akku
Akkuspannung lässt sich direkt prüfen.
Grenzen
Ein Multimeter zeigt Momentaufnahmen. Schnell wechselnde Signale wie Taktsignale oder Daten kann es nicht darstellen, dafür braucht es ein Oszilloskop. Und um herauszufinden, welches von vielen Bauteilen an einer kurzgeschlossenen Leitung schuld ist, kommen oft Labornetzteil und Wärmebildkamera dazu.
Nicht am Akku messen ohne Wissen
Ein Kurzschluss mit den Messspitzen am Akku oder an der Platine kann Bauteile beschädigen. Messungen an Smartphones gehören in erfahrene Hände.
So ist ein Multimeter aufgebaut
Ein typisches Digitalmultimeter hat ein Display, einen Drehschalter und mehrere Buchsen für die Messleitungen. Mit dem Drehschalter wählst du die Messart, etwa Spannung, Widerstand oder Durchgang. Die schwarze Messleitung steckt immer in der Buchse mit der Aufschrift COM. Die rote Leitung kommt je nach Messung in die Buchse für Spannung und Widerstand oder in eine der Strombuchsen.
Viele Geräte wählen den passenden Messbereich automatisch. Man spricht von Autorange. Bei einfacheren Geräten stellst du den Bereich selbst ein, etwa 20 Volt oder 200 Ohm. Ist der Bereich zu klein gewählt, zeigt das Display meist eine 1 oder OL für Überlauf.
Neben digitalen Geräten gibt es auch analoge Multimeter mit Zeiger. Sie sind heute selten, haben aber einen Vorteil: Schwankende Werte lassen sich am Zeiger gut beobachten. In der Elektronikreparatur hat sich das digitale Multimeter durchgesetzt.
Moderne Geräte bieten oft noch weitere Funktionen, etwa die Messung von Kapazität, Frequenz oder Temperatur. Für die Elektronikreparatur sind diese Extras praktisch, aber nicht entscheidend.
Spannung richtig messen
Die Spannungsmessung ist die häufigste Anwendung. Du hältst die beiden Messspitzen an zwei Punkte, zwischen denen die Spannung anliegt. Das Multimeter wird dabei parallel zum Bauteil geschaltet, also einfach daneben gehalten. Es beeinflusst die Schaltung dabei kaum.
- Messart wählen. Stelle den Drehschalter auf Gleichspannung, meist mit V und einem geraden Strich gekennzeichnet.
- Leitungen stecken. Schwarz in COM, Rot in die Buchse für Spannung.
- Masse anlegen. Die schwarze Spitze kommt an Masse, etwa den Minuspol oder eine Metallabschirmung auf der Platine.
- Messen. Mit der roten Spitze tippst du den Messpunkt an und liest den Wert ab.
In der Smartphone-Reparatur wird so etwa geprüft, ob die Spannung des Akkus stimmt oder ob eine bestimmte Versorgungsleitung beim Einschalten die richtige Spannung erhält. Fehlt eine Spannung, ist ein Bauteil in der Versorgung verdächtig.
Strom messen und die Sicherung
Die Strommessung funktioniert anders als die Spannungsmessung. Das Multimeter muss in den Stromkreis eingefügt werden, sodass der gesamte Strom durch das Messgerät fließt. Dafür wird die rote Leitung in eine der Strombuchsen gesteckt, oft mit A oder mA beschriftet.
Hier passieren die meisten Fehler. Wer vergisst, die rote Leitung nach einer Strommessung wieder umzustecken, und dann eine Spannung misst, erzeugt einen Kurzschluss. Gute Multimeter haben deshalb eine Sicherung in der Strombuchse, die in diesem Fall auslöst. Billige Geräte haben manchmal keine oder eine unzureichende Sicherung.
In der Smartphone-Reparatur wird der Strom meist nicht mit dem Multimeter, sondern mit einem Labornetzteil gemessen. Es zeigt die Stromaufnahme direkt an und begrenzt sie, falls ein Kurzschluss vorliegt. Das ist sicherer und für die Diagnose aussagekräftiger.
Widerstand messen
Für die Widerstandsmessung schickt das Multimeter einen kleinen Strom durch das Bauteil und misst, wie viel Spannung dabei abfällt. Daraus berechnet es den Widerstand in Ohm. Wichtig: Das Gerät muss dabei stromlos sein. Sonst verfälscht die vorhandene Spannung die Messung, und im schlimmsten Fall nimmt das Multimeter Schaden.
Auf einer Platine misst du nie nur ein einzelnes Bauteil. Andere Bauteile, die parallel geschaltet sind, beeinflussen das Ergebnis. Ein Widerstand mit 10 Kiloohm kann deshalb auf der Platine deutlich weniger anzeigen. Für eine genaue Messung wird das Bauteil manchmal ausgelötet.
In der Reparatur ist die Widerstandsmessung vor allem bei Versorgungsleitungen hilfreich. Ein ungewöhnlich niedriger Wert gegen Masse deutet auf einen Kurzschluss hin. Erfahrene Techniker kennen die typischen Werte und erkennen Abweichungen schnell.
Sicherheitsklassen und Grenzen
Multimeter werden in Messkategorien eingeteilt, die als CAT I bis CAT IV angegeben sind. Sie beschreiben, für welche Umgebung ein Gerät sicher ist. CAT II ist etwa für Geräte an der Steckdose gedacht, CAT III für Arbeiten an der Hausinstallation. Für Elektronik mit kleinen Spannungen ist die Kategorie weniger wichtig, für Arbeiten am Stromnetz aber entscheidend.
Für dich als Laie gilt: Arbeiten an der Hausinstallation und an Netzspannung gehören in die Hände von Elektrofachkräften. Ein Multimeter macht solche Arbeiten nicht sicher. Für Akkus, Batterien und ausgeschaltete Kleingeräte ist es dagegen ein nützliches und ungefährliches Werkzeug.
Unbedenklich
Batterien, Akkus, USB-Netzteilausgänge, ausgeschaltete Elektronik.
Nur mit Fachwissen
Steckdosen, Netzteile im geöffneten Zustand, Hausinstallation.
Die richtigen Messspitzen
Die mitgelieferten Messspitzen sind meist zu dick für Smartphone-Platinen. Die Messpunkte dort sind oft kleiner als ein Millimeter und liegen dicht an anderen Bauteilen. Deshalb nutzen Werkstätten besonders feine, nadelspitze Messspitzen. Sie lassen sich präzise auf einzelne Kontakte setzen.
Hilfreich sind auch Krokodilklemmen oder Prüfspitzen mit Haken. Damit lässt sich die Masseleitung fest anklemmen, sodass du nur noch eine Spitze führen musst. Unter dem Mikroskop wird so auch an winzigen Bauteilen sicher gemessen.
Typische Fehler bei der Bedienung
Falsche Buchse
Die rote Leitung steckt noch in der Strombuchse, während Spannung gemessen wird.
Messen unter Spannung
Widerstand oder Durchgang an einem eingeschalteten Gerät messen.
Abgerutschte Spitze
Eine Spitze verbindet zwei benachbarte Kontakte und erzeugt einen Kurzschluss.
Schwache Batterie
Das Multimeter zeigt falsche Werte an, ohne es deutlich zu melden.
Viele dieser Fehler lassen sich mit Routine vermeiden. Prüfe vor jeder Messung kurz Drehschalter und Buchsen. Arbeite an Platinen immer mit feinen Spitzen und unter guter Sicht.
Das Multimeter im Haushalt
Auch ohne Platinenarbeit ist ein Multimeter im Alltag nützlich. Du kannst damit prüfen, ob eine Batterie noch genug Spannung hat, bevor du sie wegwirfst. Eine neue AA-Batterie hat etwa 1,5 Volt. Liegt der Wert deutlich darunter, ist sie verbraucht.
Auch ein Ladekabel lässt sich testen. Mit der Durchgangsprüfung findest du heraus, ob eine Ader gebrochen ist. Bei Lichterketten, Fahrradbeleuchtung oder Spielzeug hilft das Multimeter, eine defekte Stelle zu finden. So sparst du dir manchen Neukauf.
Für Ladegeräte gibt es zusätzlich kleine USB-Messgeräte, die zwischen Netzteil und Kabel gesteckt werden. Sie zeigen Spannung und Strom beim Laden an. Damit erkennst du, ob ein Netzteil die versprochene Leistung liefert.
Worauf du beim Kauf achten solltest
| Merkmal | Warum es wichtig ist |
|---|---|
| Schneller Durchgangspiepser | Zeigt Verbindungen sofort an, ohne Verzögerung |
| Diodenmodus | Unverzichtbar für die Fehlersuche auf Platinen |
| Gute Sicherungen | Schützen Gerät und Nutzer bei Bedienfehlern |
| Hohe Auflösung | Feine Unterschiede bei Widerstand und Spannung werden sichtbar |
| Hintergrundbeleuchtung | Erleichtert das Ablesen am Arbeitsplatz |
Für einfache Aufgaben zu Hause reicht ein günstiges Gerät. Für regelmäßige Arbeiten an Elektronik lohnt sich ein Markengerät mit zuverlässigen Messwerten. Achte außerdem auf die Batterie des Multimeters. Ist sie schwach, können die Messwerte ungenau werden.
Zusammengefasst ist das Multimeter das wichtigste Messgerät in der Elektronikreparatur. Es zeigt Spannungen, Widerstände und Verbindungen und hilft, Fehler gezielt zu finden. Für erste Messungen an Akkus und Kabeln eignet es sich auch zu Hause, Arbeiten an Platinen und Netzspannung gehören aber in erfahrene Hände.
Ein gutes Multimeter begleitet dich viele Jahre.
Häufige Fragen
Brauche ich ein teures Multimeter?
Für Elektronikreparatur sollte es genau sein und einen guten Diodenmodus haben.
Was ist der Diodenmodus?
Eine Messart, die das Verhalten einer Leitung zeigt und Kurzschlüsse sichtbar macht.
Kann man damit einen Akku prüfen?
Die Spannung ja, die Kapazität nicht.
Ersetzt ein Multimeter ein Oszilloskop?
Nein, für schnelle Signale braucht man ein Oszilloskop.
Was bedeutet OL auf dem Display?
Overload. Der Messwert liegt außerhalb des Bereichs, etwa bei einer Unterbrechung.