Gorilla Glass ist kein Oberbegriff, sondern ein Markenname des US-Herstellers Corning. Das Glas wird in vielen Android-Smartphones, Tablets, Smartwatches und Laptops verbaut, etwa bei Samsung oder Google. Es ist ein Aluminosilikatglas, das in einem Salzbad chemisch gehärtet wird. Dabei werden kleine Ionen an der Oberfläche durch größere ersetzt. Das erzeugt eine Druckspannung, die das Glas deutlich widerstandsfähiger macht als normales Glas.
Wie die Härtung funktioniert
Normales Glas bricht, wenn sich ein winziger Riss an der Oberfläche ausbreitet. Beim chemischen Härten wird das Glas in ein heißes Kaliumsalzbad getaucht. Kalium-Ionen dringen in die Oberfläche ein und verdrängen kleinere Natrium-Ionen. Weil die Kalium-Ionen mehr Platz brauchen, stehen die äußeren Schichten unter Druck. Ein Riss muss diesen Druck erst überwinden, bevor er sich ausbreiten kann. Das macht das Glas bruchfester, aber nicht unzerbrechlich.
Generationen
Corning bringt regelmäßig neue Generationen heraus, früher durchnummeriert, später mit Namen wie Victus und Armor. Jede Generation wird auf andere Schwerpunkte optimiert, etwa auf Bruchfestigkeit bei Stürzen oder auf weniger Spiegelungen. Welche Generation in deinem Gerät steckt, steht im Datenblatt des Herstellers. Apple nutzt ein eigenes, gemeinsam mit Corning entwickeltes Glas namens Ceramic Shield.
| Ziel | Was es bedeutet |
|---|---|
| Bruchfestigkeit | Übersteht mehr Stürze auf raue Flächen |
| Kratzfestigkeit | Weniger feine Kratzer im Alltag |
| Entspiegelung | Weniger Reflexionen, etwa bei Armor |
| Dünne Bauweise | Gleiche Stabilität bei weniger Gewicht |
Was Gorilla Glass kann und was nicht
Kratzer im Alltag
Schlüssel und Münzen hinterlassen meist keine Spuren.
Sand
Quarzsand ist härter und kann trotzdem Kratzer verursachen.
Stürze
Bei einem Aufprall auf Kante oder Ecke kann jedes Glas brechen.
Kompromiss
Glas wird entweder eher kratzfest oder eher bruchfest optimiert.
Die Hersteller werben mit Fallhöhen aus Labortests. Im Alltag hängt es aber stark davon ab, wie das Gerät aufschlägt. Ein Sturz flach auf die Displayfläche ist oft harmlos, ein Aufprall auf die Kante kann schon aus geringer Höhe zum Bruch führen. In unserer Werkstatt sehen wir gesprungene Gläser aller Generationen.
Brauche ich trotzdem ein Schutzglas?
Ein Panzerglas ist eine zusätzliche Schicht, die Kratzer und kleinere Stöße abfängt. Wenn sie bricht, wird sie einfach ersetzt statt des teuren Displays. Gerade bei Geräten, deren Displaytausch teuer ist, ist das eine günstige Absicherung. Bei einem Displaytausch kommt es außerdem auf das Ersatzteil an: Ein Originaldisplay hat das Glas des Herstellers, viele günstige Nachbauten nicht.
Kratzer im Display
Feine Kratzer im Gorilla Glass lassen sich nicht wegpolieren, ohne die Beschichtung zu beschädigen. Bei tiefen Kratzern bleibt nur der Displaytausch.
Wie Gorilla Glass hergestellt wird
Gorilla Glass entsteht in einem besonderen Verfahren, bei dem flüssiges Glas über eine Rinne läuft und an beiden Seiten herabfließt. Unter der Rinne treffen sich die beiden Ströme und bilden eine dünne, sehr glatte Scheibe. Weil die Oberfläche dabei nichts berührt, muss sie danach kaum poliert werden.
Anschließend wird das Glas zugeschnitten, an den Kanten bearbeitet und im Salzbad gehärtet. Erst danach erhält es weitere Beschichtungen, etwa eine fettabweisende Schicht gegen Fingerabdrücke. Die genaue Zusammensetzung und die Prozessschritte sind Betriebsgeheimnis des Herstellers.
- Schmelzen Die Rohstoffe werden zu einer Glasschmelze verarbeitet.
- Ziehen Das Glas wird zu einer dünnen, glatten Scheibe geformt.
- Zuschnitt Die Scheibe wird auf die Gerätegröße zugeschnitten.
- Härten Im Salzbad entsteht die Druckspannung an der Oberfläche.
- Beschichten Zum Schluss folgen Schutz- und Antifingerprint-Schichten.
Gorilla Glass auf der Rückseite
Viele Smartphones haben nicht nur vorne, sondern auch hinten eine Glasscheibe. Die Glasrückseite ist nötig, damit kabelloses Laden funktioniert, denn Metall würde das Magnetfeld abschirmen. Oft wird auch hier gehärtetes Glas eines bekannten Herstellers verwendet, teils mit matter Oberfläche.
Eine gesprungene Rückseite ist nicht nur ein optisches Problem. Durch Risse kann Feuchtigkeit eindringen, und scharfe Kanten können die Hand verletzen. Außerdem kann das Gerät seinen Wasserschutz verlieren. Wir tauschen Rückseiten fachgerecht und dichten das Gerät danach wieder ab.
Kabelloses Laden
Glas lässt das Magnetfeld durch, Metall nicht.
Wasserschutz
Ein Riss in der Rückseite kann Feuchtigkeit hereinlassen.
Splitter
Gesprungenes Glas kann Finger verletzen.
Kratzfestigkeit und die Mohs-Skala
Die Härte von Materialien wird oft mit der Mohs-Skala beschrieben. Sie reicht von 1 für sehr weiche Stoffe bis 10 für Diamant. Gehärtetes Glas liegt etwa im mittleren Bereich. Das reicht, um gegen Metallgegenstände wie Schlüssel geschützt zu sein, die weicher sind.
Quarz, der Hauptbestandteil vieler Sandkörner, ist jedoch härter als Glas. Deshalb entstehen die meisten feinen Kratzer durch Sand und Staub in Hosentaschen oder Rucksäcken. Kein normales Smartphone-Glas ist dagegen völlig immun.
| Gegenstand | Kratzt das Glas? |
|---|---|
| Münzen, Schlüssel | In der Regel nicht |
| Messer aus Stahl | Meist nicht |
| Sand, Staub | Ja, häufigste Ursache feiner Kratzer |
| Keramik, Steine | Ja, je nach Härte |
Feine Kratzer lassen sich bei Glas übrigens kaum wegpolieren. Polierpasten tragen Material ab und können eine wellige Oberfläche hinterlassen, die das Bild verzerrt. Besser ist ein Schutzglas, das die Kratzer abfängt.
Warum Glas trotzdem bricht
Die Druckspannung macht das Glas widerstandsfähiger, aber sie hat Grenzen. Trifft das Gerät auf eine harte, spitze Fläche, entsteht an einer Stelle eine sehr hohe Belastung. Ist der Druck größer als die Spannung im Glas, bildet sich ein Riss, der sich dann schnell ausbreitet.
Besonders gefährlich sind Stürze auf Ecken und Kanten. Dort ist das Glas am dünnsten und am wenigsten gestützt. Auch kleine Kratzer können eine Schwachstelle bilden: Ein tiefer Kratzer verringert die Druckspannung an dieser Stelle, und das Glas bricht bei einem späteren Sturz leichter.
- Ecken schützen Eine Hülle mit erhöhten Kanten fängt viele Stöße ab.
- Kratzer vermeiden Handy nicht mit Schlüsseln oder Sand in dieselbe Tasche stecken.
- Haarrisse ernst nehmen Ein kleiner Riss kann sich mit der Zeit ausbreiten.
Auch Temperatur spielt eine Rolle. Ein Smartphone, das im Winter draußen ausgekühlt ist, kann bei einem Sturz etwas anfälliger sein, weil Glas und Rahmen sich unterschiedlich zusammenziehen. Im Alltag ist der Effekt gering, ein Riss nach einem Sturz in der Kälte ist aber kein Zufall.
Gorilla Glass und der Displaytausch
Bei modernen Smartphones ist das Glas fest mit dem Display verklebt. Ist das Glas gesprungen, wird in der Regel das ganze Displaymodul getauscht. Nur in wenigen Fällen lässt sich das Glas allein wechseln, und das erfordert spezielle Maschinen.
Beim Displaytausch entscheidet die Qualität des Ersatzteils auch über das Glas. Originaldisplays und gute OEM-Teile haben vergleichbar widerstandsfähiges Glas. Günstige Nachbauten nutzen oft einfacheres Glas, das schneller verkratzt oder bricht. Wir verbauen Originalteile oder hochwertige Premium-Ersatzteile, damit dein Gerät nach der Reparatur so robust ist wie vorher.
Gorilla Glass in anderen Geräten
Gehärtetes Glas steckt nicht nur in Smartphones. Auch Tablets, Smartwatches, Laptops mit Touchscreen und manche Kameras nutzen es. Bei Smartwatches kommen zusätzlich andere Materialien wie Saphirglas zum Einsatz, das noch kratzfester ist, aber teurer und schwerer.
Bei Laptops findet man gehärtetes Glas oft über dem Display oder auf dem Touchpad. Auch hier gilt: Es schützt gut gegen Kratzer im Alltag, aber nicht gegen einen harten Sturz. Bricht ein Laptopdisplay mit Glasabdeckung, wird meist die ganze Displayeinheit ersetzt.
Zusammengefasst ist Gorilla Glass ein bewährter Schutz gegen Kratzer und Brüche im Alltag, aber kein unzerstörbares Material. Eine gute Hülle und ein Schutzglas verlängern das Leben deines Displays. Ist es doch passiert, tauschen wir das Display schnell, wenn möglich, direkt bei dir vor Ort in München und Umland.
Bei Kameras und Smartwatches gibt es außerdem kleine Abdeckgläser über den Linsen oder Sensoren. Auch sie können springen. Ein Riss im Kameraglas führt zu unscharfen Fotos oder Lichtflecken und sollte zügig ersetzt werden, bevor Staub oder Feuchtigkeit eindringen.
Häufige Fragen
Ist Gorilla Glass unzerbrechlich?
Nein, es ist bruchfester als normales Glas, kann aber brechen.
Haben iPhones Gorilla Glass?
Apple nutzt eigene Gläser in Zusammenarbeit mit Corning, etwa Ceramic Shield.
Woran erkenne ich, welches Glas mein Handy hat?
In den technischen Daten des Herstellers.
Kann man Kratzer aus Gorilla Glass polieren?
Nur sehr feine, und dabei geht die Beschichtung verloren.
Lohnt sich ein Panzerglas trotzdem?
Ja, als günstiger Schutz für das teurere Display.
Hat ein Ersatzdisplay auch Gorilla Glass?
Originalteile ja, Nachbauten oft nicht.
Ist die Rückseite auch aus Gorilla Glass?
Bei vielen Geräten ja, teils in einer anderen Generation als das Display.