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Glossar

Jailbreak

Ein Jailbreak entfernt Einschränkungen in iOS, sodass sich Software außerhalb des App Stores installieren und das System tiefgreifend verändern lässt.
Kurz erklärt

„Jailbreak“ bedeutet Gefängnisausbruch. Gemeint ist, dass das iPhone aus den Grenzen von iOS befreit wird. Dafür werden Sicherheitslücken ausgenutzt. Danach lassen sich Apps aus anderen Quellen installieren und Systemdateien verändern. Was früher beliebt war, um Funktionen nachzurüsten, ist heute eher eine Nische.

GerätiPhone, iPad
Funktioniert überSicherheitslücken
Von AppleNicht unterstützt
Android-GegenstückRoot

Wie ein Jailbreak funktioniert

Apple lässt nur signierte Software laufen. Ein Jailbreak nutzt eine Schwachstelle, um diese Prüfung zu umgehen. Weil Apple Lücken mit Updates schließt, funktionieren Jailbreaks meist nur auf bestimmten iOS-Versionen. Eine bekannte Ausnahme ist eine Lücke im Boot-ROM älterer Apple-Chips, die 2019 bekannt wurde. Sie betrifft die Chips bis zum A11, also etwa bis zum iPhone X, und lässt sich nicht per Update schließen, weil der Boot-ROM fest im Chip steckt.

Warum Jailbreaks früher beliebt waren

In den ersten Jahren des iPhones fehlten viele Funktionen, die heute selbstverständlich sind: eigene Hintergrundbilder für den Homescreen, Widgets, ein anpassbares Kontrollzentrum oder die Möglichkeit, Apps frei anzuordnen. Mit einem Jailbreak ließ sich das nachrüsten, über alternative App-Sammlungen wie Cydia. Mit jeder iOS-Version hat Apple viele dieser Ideen übernommen. Gleichzeitig wurde es immer schwieriger, iOS zu knacken.

Heute dienen Jailbreaks vor allem Sicherheitsforschern und Entwicklern. In der EU erlaubt Apple inzwischen auch alternative App-Marktplätze, wodurch ein weiterer Grund für den Jailbreak entfällt.

Risiken

Sicherheit

Die Schutzmechanismen von iOS werden abgeschaltet. Schadsoftware hat leichteres Spiel.

Stabilität

Abstürze, Bootloops und Akkuprobleme sind häufiger.

Keine Updates

Wer ein Update installiert, verliert den Jailbreak meist.

Apps verweigern

Banking- und Bezahl-Apps erkennen den Jailbreak oft.

Jailbreak wieder entfernen

Ein Jailbreak lässt sich durch eine Wiederherstellung von iOS über den Computer entfernen. Dabei werden alle Daten gelöscht. Danach kannst du ein Backup einspielen, wobei Jailbreak-Anpassungen nicht übernommen werden sollten. Hängt das iPhone nach einem Jailbreak-Versuch in einem Bootloop, hilft meist der DFU-Modus.

Unsere Empfehlung

Für den Alltag raten wir vom Jailbreak ab. Viele Funktionen, die früher nur damit möglich waren, sind inzwischen fester Bestandteil von iOS.

Arten von Jailbreaks

ArtWas nach einem Neustart passiert
UntetheredJailbreak bleibt aktiv, Gerät startet normal
Semi-untetheredGerät startet normal, Jailbreak muss per App neu aktiviert werden
TetheredGerät startet nur mit Hilfe eines Computers
Semi-tetheredGerät startet ohne Jailbreak, er muss per Computer neu aktiviert werden

In den frühen Jahren des iPhones gab es oft untethered Jailbreaks, die dauerhaft aktiv blieben. Mit jeder iOS-Version hat Apple die Sicherheit verbessert, sodass solche Jailbreaks selten geworden sind. Die meisten Jailbreaks der letzten Jahre waren semi-untethered oder semi-tethered.

Für Nutzer bedeutet das: Nach jedem Neustart muss der Jailbreak erneut aktiviert werden. Bis dahin läuft das iPhone wie ein normales Gerät, nur die zusätzlichen Erweiterungen fehlen.

Wie Jailbreaks Sicherheitslücken nutzen

Ein Jailbreak ist im Kern die Ausnutzung von Sicherheitslücken. iOS ist so gebaut, dass nur von Apple signierte Software laufen darf. Ein Jailbreak findet einen Fehler im System, mit dem sich diese Prüfung umgehen lässt. Je tiefer der Fehler liegt, desto mächtiger ist der Jailbreak.

Ein berühmtes Beispiel ist checkm8. Diese Lücke steckt im Boot-ROM bestimmter Apple-Chips, also in Code, der fest in den Prozessor eingebaut ist und sich nicht per Update ändern lässt. Betroffen sind iPhones bis einschließlich iPhone X. Auf diesen Geräten lässt sich die Lücke unabhängig von der iOS-Version ausnutzen, allerdings nur mit einem Computer.

Die meisten anderen Lücken schließt Apple mit dem nächsten Update. Deshalb funktionieren Jailbreaks oft nur mit bestimmten iOS-Versionen. Wer ein Update installiert, verliert in der Regel die Möglichkeit, das Gerät erneut zu jailbreaken.

Für Apple sind solche Lücken ein ernstes Sicherheitsproblem, denn was ein Jailbreak-Entwickler nutzen kann, kann auch ein Angreifer nutzen. Apple bezahlt deshalb im Rahmen eines Bug-Bounty-Programms Belohnungen für gemeldete Schwachstellen. Viele Lücken werden so geschlossen, bevor sie für einen Jailbreak verwendet werden.

Warum Jailbreaks heute seltener sind

Viele Funktionen, für die früher ein Jailbreak nötig war, bietet iOS inzwischen selbst. Dazu gehören eigene Widgets, frei wählbare App-Symbole, Steuerelemente im Kontrollzentrum, die Platzierung von Apps auf dem Homescreen und die Auswahl anderer Standard-Apps für Browser und E-Mail.

In der EU erlaubt Apple seit 2024 außerdem alternative App-Marktplätze. Apps müssen also nicht mehr ausschließlich aus dem App Store kommen. Damit fällt ein weiterer Grund für einen Jailbreak weg. Gleichzeitig ist es durch die verbesserte Sicherheit von iOS viel schwieriger geworden, aktuelle Jailbreaks zu entwickeln.

Widgets und Design

Heute direkt in iOS möglich.

Standard-Apps

Browser und Mail frei wählbar.

Andere App-Quellen

In der EU über Marktplätze erlaubt.

Sicherheitsfolgen eines Jailbreaks

Ein Jailbreak schaltet wichtige Schutzmechanismen von iOS ab. Apps laufen normalerweise in einer abgeschotteten Umgebung, der Sandbox. Sie können nicht auf die Daten anderer Apps zugreifen. Nach einem Jailbreak können Erweiterungen diese Grenzen überschreiten. Das ermöglicht neue Funktionen, aber auch Schadsoftware hat leichteres Spiel.

Erweiterungen kommen oft aus inoffiziellen Quellen, die nicht von Apple geprüft werden. Wer dort eine manipulierte Erweiterung installiert, gibt ihr unter Umständen Zugriff auf Passwörter, Nachrichten und Bankdaten. Auch Sicherheitsupdates können nach einem Jailbreak nicht ohne Weiteres installiert werden, weil sie den Jailbreak entfernen würden.

Wichtig

Viele Banking-Apps und Bezahldienste erkennen einen Jailbreak und verweigern den Start. Prüfe das, bevor du dich für einen Jailbreak entscheidest.

Jailbreak und Werkstatt

Für eine Reparatur spielt ein Jailbreak meist keine große Rolle. Display, Akku und Ladebuchse werden wie bei jedem anderen Gerät getauscht. Probleme können entstehen, wenn das Gerät nach der Reparatur neu gestartet werden muss und der Jailbreak dabei verloren geht oder das System nicht sauber hochfährt.

Bei Software-Problemen auf einem Gerät mit Jailbreak ist die Lösung oft eine vollständige Wiederherstellung über den Computer. Dabei wird iOS neu installiert und der Jailbreak entfernt. Ein Backup vorher ist wichtig, wobei ein Backup eines Geräts mit Jailbreak problematische Einstellungen mitbringen kann. Im Zweifel ist ein sauberer Neustart mit manueller Übertragung der wichtigsten Daten die stabilere Lösung.

Auch die Garantie kann betroffen sein. Apple kann den Service für Schäden verweigern, die durch nicht autorisierte Software entstanden sind. Eine vollständige Wiederherstellung vor dem Garantiefall entfernt den Jailbreak in der Regel.

Jailbreak und Root bei Android

Bei Android heißt das Gegenstück Root. Es gibt dem Nutzer Administratorrechte auf dem Gerät. Anders als bei iOS erlauben viele Android-Hersteller das Entsperren des Bootloaders offiziell, sodass für Root keine Sicherheitslücke nötig ist. Trotzdem gelten ähnliche Risiken für Sicherheit und Banking-Apps.

Bei iPhones gibt es keinen offiziellen Weg zum Entsperren. Ein Jailbreak bleibt deshalb immer auf Sicherheitslücken angewiesen und ist entsprechend unsicherer und weniger verbreitet als Root bei Android.

Eine kurze Geschichte des Jailbreaks

Die ersten Jailbreaks entstanden schon kurz nach dem Verkaufsstart des ersten iPhones im Jahr 2007. Damals gab es noch keinen App Store. Wer eigene Programme installieren wollte, brauchte einen Jailbreak. Auch das Entsperren des Mobilfunkanbieters, damals oft fest an einen Vertrag gebunden, war ein wichtiger Grund.

Mit dem App Store ab 2008 verlagerte sich das Interesse. Jailbreaker wollten nun vor allem das Aussehen und die Funktionen von iOS anpassen. Für Erweiterungen entstand ein eigener Marktplatz namens Cydia. Viele Ideen aus dieser Szene wurden später von Apple selbst übernommen, etwa das Kontrollzentrum oder die Möglichkeit, Benachrichtigungen interaktiv zu beantworten.

In den 2010er-Jahren veröffentlichten verschiedene Teams regelmäßig neue Jailbreaks für jede iOS-Version. Mit der Zeit wurden die Abstände länger, weil Apple die Sicherheit deutlich verbesserte. Heute ist die Jailbreak-Szene klein und auf Spezialisten beschränkt.

Woran du einen Jailbreak erkennst

Wenn du ein gebrauchtes iPhone kaufst, kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob es gejailbreakt wurde. Ein Hinweis sind Apps wie Cydia, Sileo oder Zebra auf dem Homescreen. Diese App-Stores für Erweiterungen gibt es nur auf Geräten mit Jailbreak. Auch ungewöhnliche Menüs in den Einstellungen oder ein verändertes Aussehen können auf einen Jailbreak hinweisen.

Die sicherste Lösung beim Kauf eines gebrauchten iPhones ist, es vollständig über den Computer wiederherzustellen. Danach läuft eine saubere, aktuelle iOS-Version, und eventuelle Änderungen sind entfernt.

Alternativen zum Jailbreak

Wer sein iPhone anpassen möchte, ohne die Sicherheit zu gefährden, hat heute viele Möglichkeiten. Mit der Kurzbefehle-App lassen sich Abläufe automatisieren, eigene App-Symbole gestalten und Aktionen an Tageszeiten oder Orte knüpfen. Widgets und Fokus-Modi passen den Homescreen an verschiedene Situationen an.

Für Entwickler und Technikinteressierte bietet Apple die Möglichkeit, eigene Apps über Xcode auf dem eigenen Gerät zu installieren. Mit einem kostenlosen Entwicklerkonto ist das zeitlich begrenzt möglich. So lassen sich eigene Ideen umsetzen, ohne das System zu verändern.

Zusammengefasst war der Jailbreak lange ein Weg, mehr aus dem iPhone herauszuholen. Heute überwiegen für die meisten Menschen die Nachteile: geringere Sicherheit, Probleme mit Banking-Apps und der Verzicht auf Updates. Viele früher beliebte Funktionen bietet iOS inzwischen selbst.

Häufige Fragen

Ist ein Jailbreak illegal?

In Deutschland ist er für das eigene Gerät nicht verboten. Apple unterstützt ihn aber nicht.

Verliere ich die Garantie?

Apple kann Service ablehnen, wenn Schäden durch nicht autorisierte Software entstehen.

Kann ich mit Jailbreak die Aktivierungssperre umgehen?

Nein. Die Aktivierungssperre wird bei Apple geprüft.

Gibt es Jailbreaks für aktuelle iOS-Versionen?

Für aktuelle Versionen gibt es meist keinen öffentlichen Jailbreak.

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